Aerodynamische Zapfen
Wahrscheinlich war
die wichtigste Frage, die Karl Niklas und sein Team dazu
bewegte, die Befruchtung durch Wind zu erforschen: „Wie kann es
sein, dass bei dieser großen Anzahl von Pollen in der Luft die
Pollen einer Pflanze nicht von einer anderen Pflanzenart
aufgenommen werden und nur Pflanzen der gleichen Art erreichen?“
Dies war die Frage, die Wissenschaftler dazu veranlasste,
Pflanzen zu erforschen, die durch den Wind befruchtet werden,
insbesondere die Kiefernzapfen.
Bei Bäumen mit
Zapfen, bekannt für ihr langes Leben und ihre Größe, bilden die
Zapfen männliche und weibliche Strukturen. Männliche und
weibliche Zapfen können sich sowohl auf verschiedenen Bäumen, als
auch auf dem gleichen Baum befinden. Es gibt speziell gestaltete
Kanäle auf den Zapfen, um den Luftstrom anzuziehen, der die
Pollen trägt. Der Pollen kann dank dieser Kanäle die
Fortpflanzungsbereiche leicht erreichen.
Weibliche Zapfen sind
größer als männliche und wachsen einzeln. Die weiblichen Zapfen
bestehen aus einer zentralen Achse, um die herum zahlreiche
Sporen tragende Blätter angeordnet sind. Dieses sind Strukturen
in Form von Gehäusen, die Fischschuppen ähnlich sind. An der
Basis dieser Schuppen entwickeln sich zwei „Ovulae“ (Teile, wo
Eier gebildet werden). Wenn diese Zapfen bereit zur Bestäubung
sind, öffnen sich diese Gehäuse an zwei Seiten. Auf diese Weise
ermöglichen sie den Pollen der männlichen Zapfen, einzudringen.
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Der Luftstrom, der um einen weiblichen Kiefernzapfen
herum entsteht, ist für die Bestäubung sehr wichtig.
Zuerst gelangt der Wind in die Mitte des Zapfens. A)
Nachdem er durch das Innere gewirbelt ist, gelangt er an
die Oberfläche der Schuppen. B) Plötzlich und
unregelmäßig zirkuliert nun die Luft um die Öffnung zum
Ei einer jeden Schuppe und Pollen sammelt sich in dieser
Region. C) Pollen werden dann parallel zum Wind nach
unten und in Richtung der Schuppen befördert.
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Zusätzlich gibt es
besondere unterstützende Strukturen die den Pollen ermöglichen,
leicht in die Zapfen einzudringen. Zum Beispiel sind die
Schuppen der weiblichen Zapfen mit klebrigen Haaren bedeckt.
Dank dieser Haare kann der Pollen leicht zur Befruchtung nach
innen aufgenommen werden. Nach der Befruchtung verwandeln sich
die weiblichen Zapfen in hölzerne Strukturen, die Samen
enthalten. Später bringen die Samen unter geeigneten Bedingungen
neue Pflanzen hervor. Weibliche Zapfen besitzen ebenfalls eine
andere bemerkenswerte Eigenschaft. Der Ort, an dem sich das Ei
bildet (Ovule), ist in der Mitte des Zapfens. Es ist
offensichtlich schwierig für den Pollen diesen Ort zu erreichen,
da er, um in den inneren Teil des Zapfens zu gelangen, einen
speziellen Pfad nehmen muss, der zur Mitte führt. Obwohl es auf
den ersten Blick so aussieht, als ob dies ein Nachteil für die
Befruchtung eines Zapfens sein könnte, haben Forschungen
ergeben, dass dies nicht der Fall ist.
Um herauszufinden,
wie dieses besondere Befruchtungssystem in den Zapfen
funktioniert, wurde ein Experiment durchgeführt, in dem man
einen Modellzapfen anfertigte. Es wurde die Bewegung von kleinen
Ballons beobachtet, die mit Helium gefüllt waren und dem
Luftstrom ausgesetzt wurden. Man fand heraus, dass diese kleinen
Ballons dem Luftstrom leicht folgten und die Eigenschaft
besaßen, in die engen Korridore des Zapfens einzudringen.
Die Bewegungen der
Ballons wurden in diesem Experiment gefilmt, in dem man
spezielle fotografische Techniken anwandte. Die Bilder wurden
dann mit Hilfe eines Computers analysiert und die Richtung und
Geschwindigkeit des Windes wurden festgestellt.
Aufgrund des
Computerergebnisses wurde entdeckt, dass Zapfen die Bewegung des
Windes auf drei verschiedene Arten verändern. Zuerst wird die
Richtung des Windes durch die Blätter ins Zentrum gesteuert.
Später wird der Wind in dieser Region umgedreht und dorthin
geleitet, wo sich die Eier bilden. In der zweiten Bewegung wird
der Wind, der sich dreht wie ein Zyklon und all die kleinen
Gehäuse berührt, zu der Region geleitet, die zur Mitte des
Zapfens führt. Dann dreht der Zapfen dank seines Hervorstehens,
das kleinen Luftströmen Aufwind gibt, den Wind nach unten und
leitet ihn zu den Gehäusen.
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Je nach Art haben Zapfen eine verschiedene Dicke und
Form. |
Dank dieser
Bewegungen erreichen die meisten Pollen in der Luft den
gewünschten Bestimmungsort. Es gibt keinen Zweifel, dass diese
drei Vorgänge, sich gegenseitig ergänzen. Die Vollkommenheit der
Zapfen wird an diesem Punkt deutlich.
Die Evolutionstheorie
behauptet, dass es wie bei allen Lebewesen auch bei Pflanzen mit
der Zeit eine stufenweise Entwicklung gegeben hat. Gemäß den
Evolutionisten ist der Grund für die fehlerlose Struktur der
Pflanzen Zufall. Um die Ungültigkeit dieser Behauptung zu
verstehen, wird es ausreichen, die fehlerlose Struktur des
Fortpflanzungssystems der Zapfen zu prüfen.
Es ist für keine
lebende Spezies möglich, seine Existenz ohne ein
Fortpflanzungssystem zu sichern. Dies betrifft natürlich auch
Kiefern und ihre Zapfen. Mit anderen Worten, das
Fortpflanzungssystem in den Zapfen muss zusammen mit den
Kiefernbäumen bestanden haben, als sie das erste Mal auftraten.
Es ist nicht möglich, dass die perfekte Struktur der Zapfen mit
der Zeit in verschiedenen Stufen von selbst entstanden ist. Denn
es ist für die Struktur notwendig, die den Wind zu den Zapfen
führt und für die nächste Struktur, die den Wind später in
Kanäle leitet sowie für die Kanäle, die zu dem Ort führen, wo
die Eier sich befinden, dass sie zur selben Zeit ohne ein
fehlendes Detail existieren. Wenn eine dieser Strukturen fehlte,
wäre es nicht möglich, dass dieses Fortpflanzungssystem
funktioniert. Es bleibt nur zu sagen, dass die Möglichkeit, dass
die Eizelle im Zapfen und die Samenzelle, die sie befruchten
wird, durch Zufall von selber entstanden sind eine weitere
Sackgasse der Evolutionstheorie ist.
Es ist unvorstellbar,
dass alle Teile eines solchen Systems zur gleichen Zeit durch
Zufall entstanden sind, wenn es schon für nur ein Teil unmöglich
ist. Wissenschaftliche Befunde widerlegen in jeder Hinsicht die
Theorie der evolutionistischen Behauptungen des Entstehens durch
Zufall. Deshalb ist es offensichtlich, dass von dem Moment an,
als Zapfen das erste Mal auftauchten, sie eine perfekte Form und
ein fehlerloses System hatten, weil sie von Gott geschaffen
wurden.
Kiefernbäume haben
andere Eigenschaften, die die Aufnahme von Pollen beschleunigen.
Zum Beispiel befinden sich weibliche Zapfen allgemein an den
Spitzen der Zweige. Dies reduziert den Verlust von Pollen auf
ein Minimum.
Außerdem bewirken die
Nadeln um die Zapfen herum, dass mehr Pollen auf die Zapfen
fallen, indem sie die Geschwindigkeit des Luftstroms reduzieren.
Die symmetrische Anordnung der Blätter, die sich um die Zapfen
herum befinden, hilft, die Pollen, die aus allen Richtungen
kommen, aufzunehmen.
Wie alle Pollen haben
Kiefernpollen je nach Art eine verschiedene Gestalt, Größe und
Dichte. Zum Beispiel haben die Pollen einer bestimmten Art eine
Dichte, die sie davon abhält, dem Luftstrom eines Zapfens einer
anderen Art zu folgen. Deshalb verlassen sie den Strom des
Zapfens und fallen zu Boden. Alle Zapfen bilden Luftströme, die
für die Pollen ihrer Art am geeignetesten sind. Diese
Eigenschaft der Zapfen dient nicht allein dazu, Pollen
aufzunehmen. Pflanzen nutzen diese Filterung des Luftstroms für
sehr verschiedene Zwecke. Zum Beispiel sind weibliche Zapfen
durch diese Methode in der Lage, die Richtung von Pilzpollen,
die ihren Eizellen schaden könnten, zu ändern.
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Die Nadeln der amerikanischen Hybridkiefer sind dort
angeordnet, wo sie den Durchgang der Pollen nicht
behindern können, so dass die Befruchtung leichter
gemacht wird. |
Die
Vorsichtsmaßnahmen, die von Pflanzen ergriffen werden, damit
ihre Pollen, die willkürlich in die Luft geworfen werden, ihre
eigene Art erreichen können, sind nicht nur hierauf beschränkt.
Dass die Pflanzen weitaus mehr Pollen produzieren als benötigt
werden, garantiert bis zu einem gewissen Maße den
Bestäubungsprozess. Deshalb ist die Pflanze nicht vom Verlust an
Pollen betroffen, der aus verschiedenen Gründen entstehen
könnte. Zum Beispiel bildet jeder männliche Zapfen eines
Kiefernbaumes mehr als 5 Millionen Pollenkörner pro Jahr und ein
Kiefernbaum alleine produziert etwa 12,5 Milliarden Pollenkörner
pro Jahr, was eine außergewöhnliche Zahl ist, wenn man sie mit
anderen Lebewesen vergleicht.(1)
Dennoch stehen die
vom Wind getragenen Pollen zahlreichen Hindernissen gegenüber.
Eines davon sind die Blätter. Deshalb öffnen einige Pflanzen
(Haselnuss, Wallnuss, etc.) ihre Blüten vor ihren Blättern, wenn
Pollen in die Luft abgegeben werden, damit die Bestäubung
stattfinden kann, wenn ihre Blätter noch nicht geöffnet sind.
Blüten befinden sich an drei Stellen bei Getreide und der
Kiefer, um die Bestäubung zu erleichtern. In diesem Fall sind
die Blätter so angeordnet, dass sie kein Hindernis für die
Bewegung der Pollen bilden.
Durch diese
Vorkehrungen können Pollen beträchtliche Entfernungen
zurücklegen. Die Entfernung ist je nach Art unterschiedlich. Zum
Beispiel können Pollen mit Luftsäcken größere Entfernungen
zurücklegen als andere Arten. Es hat sich herausgestellt, dass
Kiefernpollen mit zweien solcher Luftsäcke durch starken
Luftstrom bis zu 300 Kilometer weit getragen werden können.(2)
Genauso wichtig ist die Tatsache, dass Tausende von
verschiedenen Pollen von demselben Wind befördert werden ohne
durcheinander zu geraten und dabei solche Entfernungen in der
Luft zurücklegen.
Suleyman Yusuf
Quelle:
1. Bilim ve Teknik Dergisi (Science and Technology
Journal), May 1995, p.76 2. Bilim ve Teknik Dergisi (Science and Technology
Journal), May 1995, p.77 |