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Die Taktik der Coryanthes Orchideen

 

Ist es einer Blume möglich, sich der Neigungen eines Insekts bewusst zu sein? Ist es ihr möglich, Pläne zu entwerfen, um das Insekt zu bewegen, ihr in die Falle zu gehen und dementsprechende Änderungen an sich selbst vorzunehmen? Zweifelsohne ist es weder einer Pflanze noch einem Insekt möglich, solche Taktiken als Ergebnis von eigenem Verständnis oder Willen anzuwenden. Wenn man sich jedoch die Lebewesen in der Natur betrachtet, findet man, dass oft eben solcherlei Taktiken angewandt werden.

Die Coryanthes Orchidee ist solch eine Pflanze, die Insekten mithilfe einer interessanten Taktik in ihre Falle lockt. Das Fortpflanzungssystem der Orchidee beruht darauf, Insekten anzuziehen und durch diese ihre Pollen zu verbreiten. Die Blüten dieser Orchideenspezies wachsen in Büscheln. Jede Blüte hat zwei flügelartige Kelchblätter, hinter denen sich ein kleiner "Eimer" befindet. Wenn sich die Blüten öffnen, beginnt eine spezielle Flüssigkeit, die von zwei besonderen Drüsen sekretiert wird, in diesen Eimer zu tropfen. Nach kurzer Zeit verbreitet die Blume einen Duft, den die Bienen unwiderstehlich finden.

Wenn die Orchidee in Blüte steht, werden die Arbeiterbienen durch den Duft angelockt und umkreisen die Blume. Während sie an den senkrechten Rändern der Orchidee zu landen versuchen, suchen sie in dem röhrenförmigen Abschnitt der Blüte, der jenen Behälter mit dem Stängel verbindet nach einer Stelle, wo sie sich mit ihren Beinen festklammern können. Dieser Teil jedoch ist sehr rutschig und steil, und so fallen die Bienen, die im Kelch herumkriechen unweigerlich in den, mit der Flüssigkeit gefüllten Eimer am Boden des Blütenkelchs.

Von dort gibt es für die Biene, die hineingefallen ist, nur einen Weg nach außen. Ein enger Tunnel führt zur Vorderwand der Blume, d.h. ans Tageslicht. Bis das Insekt seinen Weg gefunden hat, der auf der gleichen Ebene liegt, wie die Flüssigkeit in die es gefallen ist, schwimmt darin umher. Während das Insekt sich bemüht, den Ausgang zu finden, passiert es unter der Narbe, wo sich die Pollen an den männlichen Organen der Blume befinden. Zu diesem Zeitpunkt bleiben zwei Pollensäcke am Rücken des Insekts haften und schließlich bewegt es sich dann zum Ausgang hin und verlässt die Blume. Wenn die Biene eine neue Blume aufsucht nimmt die Blütennarbe die Pollen von der Biene auf und auf diese Weise findet die Bestäubung statt.(1)

Wie bereits anfangs erwähnt, ist es einer Pflanze durchaus nicht möglich, Überlistungstaktiken in Bezug auf Insekten zu entwickeln, und ihre eigene Struktur im Einklang mit diesen Taktiken zu verändern. In gleicher Weise ist es einem Insekt ebenso unmöglich, aus eigenem Willen eine Taktik zu entwickeln, um eine, von ihm benötigte Substanz, von einer Blume zu erwerben. Die erstaunliche Zusammenarbeit dieser beiden lebenden Organismen ist ein Beweis für die Tatsache, dass sie beide Geschöpfe eines Einzigen, Unvergleichlichen Schöpfers sind.

Suleyman Yusuf

Quelle:
1- Natural History, March 1999, S. 72-74.


 
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