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Wegweiser für die Jugend
1.Wort - Bismillah
(Im Namen Allahs)
Das 1.Wort wurde 1926 in türkischer Sprache in Barla
verfasst.
»Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.«
»Und
mit Seiner Hilfe.«
»Lob, Preis und Dank sei Allah, dem Herrn
(Rabb) der Welten, und Segen und Frieden über unseren Herrn (Seyyidina)
Mohammed und über seiner Familie und über allen seinen Gefährten.«
Oh Bruder! Du möchtest
von mir einige Ratschläge. Weil du aber ein
Soldat bist, so höre denn acht kleine
Geschichten aus dem militärischen Bereich,
die ich meiner Seele (nafs) erzählen werde
und entnimm ihnen einige Wahrheiten! Denn
meine Seele ist es, die dieser guten Ratschläge
vor allen anderen bedarf. Ich hatte schon
einmal aus acht Ayat (Versen) als "acht Worte" meinen Nutzen gezogen und
auch etwas längere Worte zu meiner Seele zugesprochen. Nun möchte
ich sie noch einmal in kurzen, allgemeinverständlichen
Worten wiederholen. Wer es wünscht, möge mir
dabei zuhören.
"»Bismillah«
(Im Namen Allahs)
ist der Beginn
alles Guten." (1) Auch wir beginnen mit ihm. Wisse, oh meine Seele! So wie
dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es
unausgesprochen (mit der Sprache des Zustandes) auch ein immerwährendes Gebet der gesamten
Schöpfung (Existenz).
Willst du verstehen, was für eine unerschöpfliche Kraft und
welch ein nicht enden wollender Segen »Bismillah!«
ist, so betrachte und höre dieses Gleichnis. So ist es:
Wenn
ein Beduine eine Reise durch die (arabische) Sahara unternehmen will, so
tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten
zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit
er vor den Nachstellungen der Räuber bewahrt seine
Angelegenheiten regeln kann. Ansonsten, wird er alleine,
angesichts unzähliger Feinde und Bedürfnisse völlig durcheinander geraten.
Nun
zogen einmal zwei Männer zu einer Reise in die Sahara hinaus.
Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber
stolz (hochmütig)... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und
reiste unter dessen Namen, der Stolze aber nicht... Der Erste
bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein
Wegelagerer (Straßenräuber), so sagte er nur: »Ich reise unter dem Namen des
Fürsten von Soundso.« So lässt ihn der Räuber weiterziehen
und geht. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen
in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet
auf der ganzen Reise in solche Schwierigkeiten, wie man sie
kaum beschreiben kann. Er zitterte und bettelte jederzeit. Er
wurde verachtet und peinlich (zu einem "Spielzeug" anderer).
Wohlan
denn, oh meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was
aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine
Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind
zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aber so
ist, unterstelle dich dem Namen des Ewigen Besitzers (Malik-i
Ebedî) und Herrschers von Ewigkeit zu
Ewigkeit (Hâkim-i Ezelî) dieser Wüste,
damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen
und vor jedem Ereignis zu zittern...
In
der Tat ist dieses Wort »Bismillah« ein so gesegneter Schatz,
dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und
Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und
Armseligkeit am Hofe des Allmächtigen Allbarmherzigen (Kadîr-i
Rahîm)
zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer nach
diesem Wort handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat
rekrutieren lässt. Er handelt im Namen des Staates. Er
braucht niemanden zu fürchten. »Im Namen des Gesetzes, im
Namen der Regierung«, spricht er. Er erledigt jede Arbeit und
überwindet jede Schwierigkeit.
Wir
haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung (Existenz)
spricht ohne Worte »Bismillah«. [Die ganze Existenz spricht
mit seinem Zustand "Bismillah"]. Wie geschieht das? [Ist es
so?]
Ja.
So wie du siehst, dass ein einziger Mann kommt, und die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an
einen Ort führt, und sie zur Arbeit zwingt. Du weißt mit
Gewissheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen
(selbstständig) und
nicht mit seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein
Soldat, handelt im Namen des Staates, stützt sich auf
die Macht eines Königs.
Genauso
handeln alle Dinge im Namen Gottes, sodass
Samenkerne und Körner, winzig klein wie Staubkörner, riesige
Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben.
Das heißt also: Jeder Baum spricht »Bismillah«; er füllt
seine Hände aus der Schatzkammer der Allbarmherzigkeit mit Früchten,
streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an.
Jeder Garten
spricht »Bismillah«, er wird zu einem Kessel in der Küche
der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen
gleichzeitig zubereitet werden.
All die "segensreichen" Tiere (=Tiere, die Gott zum
Segen der Menschheit geschaffen hat) wie Kuh und Kamel, Ziege
und Schaf, sprechen »Bismillah«. Aus der Fülle des
Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im
Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich
dem Wasser des Lebens (ab-i hayat) an.
All die Pflanzen, Bäume und Kräuter
sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern »Bismillah«.
Sie durchdringen harte Steine und feste Erde. Sie sprechen »Im
Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen« und es unterwerfen
sich ihnen alle Dinge.
In
der Tat breiten sich ihre Äste in der Luft aus und tragen
Früchte und ihre Wurzeln breiten sich mit der gleichen
Leichtigkeit in der Erde aus, durchdringen den harten Stein
und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem
bleiben ihre empfindlichen grünen Blätter auch noch in
sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den
Naturalisten wie ein Schlag ins
Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger
zur Strafe in ihre verblendeten Augen und spricht zu ihnen:
Auch die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht
zuschreibst, handeln unter (göttlichem) Auftrag, sodass diese
seidenweichen Adern gleich dem Stab Mosis dem Befehl: »Und wir haben gesagt: Schlage den Felsen mit deinem Stab!«
(Sure 2, 60) gehorchen
und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie
Zigarettenpapier, gleichen jedes den Gliedern Abrahams, mit
dem Friede sei, als der Befehl Gottes gegen die glühende,
sengende Hitze erging:
»Oh Feuer, sei kühl und friedlich!« (Sure 21, 69)
Da
nun einmal jedes Ding dem Sinne nach »Bismillah« sagt und
uns im Namen Allahs die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und
anbietet, müssen auch wir »Bismillah« sagen. Im Namen
Allahs müssen wir geben. Im Namen Allahs müssen wir
entgegennehmen. Wenn dies aber so ist, dürfen wir von
gottvergessenen Menschen, die nicht im Namen Allahs geben,
auch nichts annehmen.
Frage:
Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen
Preis. Doch welchen Preis verlangt Allah von uns, der doch der
wahre Eigentümer der Ware ist?
Antwort:
Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller
guten Gaben im Austausch für alle die kostbaren Gnadengaben
und Güter als Preis von uns fordert. Erstens: Dhikr
(Gottesgedenken), zweitens: Shukr (Danksagung), drittens: Fikr
(Nachsinnen).
Am
Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr) im »Bismillah«. Am
Ende steht die Danksagung (schukr) im »Alhamdulillah«.
Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass
diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind,
Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad)
und Absoluten (Samad (2)) sind,
bedeutet Nachsinnen (fikr).
Jedoch
einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein
kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den
Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für
eine Dummheit wäre das! Genauso wäre es, die äußerlich
sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber
aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.
Oh
du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann
gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs
fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende. Und somit ist
Frieden (Wassalam)3).
Anmerkungen:
(*)
Das 1.Wort wurde 1926 in türkischer Sprache in Barla
verfasst. Die Übersetzung ist von Davud Korkmaz, wurde aber
von uns überarbeitet.
1.Hadith: Hanbel, Musned, 2:359; Nesei, Sünenü'l
Kübra, 6:127, 128; Ibni Hibban, Sahih, 1:173, 174
2.As-Samad=Der
Unabhängige, Der nichts und niemanden bedarf und dessen alle und jedes bedarf.
Alles ist abhängig von Ihm, Er ist die eigentliche Ursache.
3.Wassalam=Gruß und Wunsch beim
Abschied. Man schreibt am Ende von Texten, Briefen etc.
"Wassalam". |