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Rückkehr aus dem Altersheim


      Vater, ich muss dir was sagen,
      ich weiß, du wirst sicher verzagen,
      nun nach all den Jahren,
      bist du einfach nicht mehr zu ertragen

      Vater du engst uns ein,
      willst Zuneigung wie ein Kind,
      hast krummen Rücken, hast steifes Bein,
      wirst vielleicht bald blind,
      deine Pflege würde zur Pein
      habe eine Empfehlung, als dein Kind:

      Vater es gibt da ein schönes Heim,
      eines der zwei neuen in unserer Stadt,
      wirst dich fühlen wie Daheim,
      unser Besuch findet am Wochenende statt

      Sohn du brichst mir mein Herz,
      will hier bei meinen Enkeln sein,
      in meinem Brustkorb ein dumpfer Schmerz,
      mein Sohn, steck` mich dort nicht hinein!

      Opa, warum packst du deine Sachen,
      wohin bringen dich die Undankbaren,
      habe ich das später auch zu machen,
      wird diese Saat auch Verhalten gebaren?

      Der Individualismus hat Früchte getragen,
      das Konstrukt Familie schmilzt so dahin,
      keiner will mehr den anderen ertragen,
      jeder geht seinen eigenen Weg, egal wohin!

      Da sitzt du nun unter Schicksalsgenossen,
      das Fotoalbum in der Hand,
      hattest du doch unzählige Bilder geschossen,
      die Tränen werden des Blickes Gewand

      Sieh mal hier, deine verstorbene Frau,
      glückliche Familienfotos erscheinen wie trug,
      als sie starb, verlor sich das Tau,
      ihr fehlen dich hierher trug

      Das Wochenende ist endlich gekommen,
      es belebt unseren gepflegten Schrottplatz,
      die Kinder werden als Besucher wahrgenommen,
      sie nehmen auf den Besucherstühlen Platz


      Sie reden sanft im fürsorglichen Ton,
      nimmst deinen Enkel auf den Schoß,
      so wie einst mit deinem Sohn,
      Tränen zurückhalten, wie geht das bloß?

      Monate vergehen, du schmilzt dahin,
      wirst du hier dein Ende nehmen?
      Alle um dich nehmen es so hin,
      Herr, kannst du mir die Last nehmen?

      Der Enkel wippt auf Opas Schaukelstuhl,
      im Schlafanzug mitten in der Nacht.
      Mein Sohn ist dir nicht wohl?
      Vater, muss halten hier die Wacht

      Ich sah Opa weinend im Traum,
      seine Seufzer gingen durch Wand und Stein,
      ihr schient erfreut in eurem Raum,
      ihr wart groß und er so klein

      Doch dann sah ich euer Herz,
      es wurde zunehmend grauer,
      es färbte ihn Opas Schmerz,
      es erhärtete sich durch seine Trauer

      Hier sitze ich nun auf seinem Erbe,
      auf dem was mich an ihn erinnert,
      auf das ich nicht wie ihr verderbe,
      auf das sein Stuhl nicht trauert

      Mein Sohn, gibt mir die Hände,
      die Botschaft ist nicht zu übersehen,
      meine Schandtat muss nehmen ein Ende,
      Geh jetzt schlafen, wir werden ihn holen gehen

      Am Morgen kommt die Nachricht ins Haus,
      der Hausälteste erlitt einen Schlaganfall,
      liegt auf der Intensivstation im Krankenhaus,
      ein Schrei verbreitet sich im häuslichen Hall

      An seinem Bett beginnt das Flehen,
      Herr, gib ihn mir bitte wieder,
      laß ihn nicht von Dannen ziehen!
      Reuige Luft schlägt sich nieder

      Der Vater erwacht, der Sohn wird beschämt,
      die Ärzte bestätigen den Verdacht,
      wird bleiben weitgehend gelähmt,
      der Rollstuhl wird zum zweiten Heim gemacht


      Dem Sohn ist es gleich,
      er pflegt ihn ohne zu schwächeln,
      es macht ihn innerlich so reich,
      ihm reicht das väterliche Lächeln

      Erhobenen Hauptes schiebt er ihn umher,
      zum trotz aller Individualisten,
      wie ein Feldzug durch ein gesellschaftliches Leer,
      die Ehre des Alters ist wieder zu errichten.

      Habib Yavuz

 


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