"Ich tue
es später"
Viele verschieben die
Verrichtungen des Gottesdienstes wie z.B. die Wallfahrt (hadsch)
und regelmäßiges (rituelles) Gebet (salah) auf das Alter, weil sie bewusst
oder unbewusst meinen, dass es sie aller weltlichen Freuden
beraubt, wenn sie sich der islamischen Lebensweise widmen. Aber
Allah sagt an vielen Stellen im Quran, dass Er den Gläubigen
Gunst sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits gewährt:
… und
unter den Menschen ist mancher, der sagt: ‚Unser Herr, gib uns
in dieser Welt!' - und für ihn gibt es im Jenseits keinen
Anteil. Und unter ihnen ist mancher, der sagt: ‚unser Herr, gib
uns in dieser Welt Gutes und im Jenseits Gutes und schütze uns
vor der Strafe des Feuers!' Diese, für sie gibt es einen Anteil
von dem, was sie erworben haben, und Allah ist schnell im
Anrechnen. (Suratu-l-baqara 2:200-202)
Damit jemand die
Gunst Allahs wirklich schätzen kann, muss er Frieden im Herzen
haben. Derjenige, dessen Herz in Unruhe ist, wird keine Freude
an den zahlreichen Segnungen Allahs um sich herum haben oder sie
nicht einmal erkennen. Leute, die sagen: ‚Ich mache das später!'
wissen wohl von der Rechtleitung und wissen, dass sie ihr ganzes
Leben entsprechend neu einrichten müssen, wenn sie anfangen, den
Anweisungen des Gewissens zu folgen. Sie wissen, dass die Stimme
des Gewissens noch schwerwiegender sein wird, wenn sie anfangen,
regelmäßig ihr Gebet zu verrichten, und dass sie sich der bösen
Taten schämen werden, die sie vollbringen. Im Quran wird gesagt,
dass das Gebet die Menschen rechtleitet:
Verlies, was dir offenbart wurde von der Schrift und richte das
Gebet ein, das Gebet hält ja ab vom Abscheulichen und vom
Verwerflichen, und bestimmt ist Allah Eingedenksein größer, und
Allah weiß, was ihr fertigbringt. (Suratu-l-ankabut 29:45)
Weil die Leute das
verstehen, versuchen sie sich der gewissensbezogenen
Verantwortungen zu entziehen, die durch die Verrichtungen des
Gottesdienstes entstehen und sagen zur Entschuldigung: ‚Wenn ich
geheiratet habe, wenn ich mehr Geld verdient habe, wenn meine
Kinder groß geworden sind …' usw. Aber am Tag des
Rechenschaftablegens wird Allah dem Menschen das
gegenüberstellen, was er aufgeschoben hat:
Bei
deinem Herrn wird an diesem Tag geblieben! Es wird dem Menschen
kundgetan an diesem Tag, was er vorausgeschickt und aufgeschoben
hat. (Suratu-l-qijama 75:12-13)
Das Aufschieben ist
eine Eigenschaft derjenigen, die nicht an den Tod und nicht
daran denken, wie nahe er ist. Wir wissen nicht, wann, wo und
wie wir sterben werden. Wir wissen auch alle, dass der Tod nicht
nur zu alten Leuten kommt. Viele Menschen unterschiedlichen
Alters sterben aus verschiedenen Gründen, viele ganz plötzlich
und unerwartet. Während Du dieses Buch allein für Dich zu Hause
liest, kommst du Dir vielleicht sehr sicher und geschützt vor,
aber ein Sturz auf der Treppe, ein Unfall im Haus oder ein
Herzinfarkt kann Deinen Tod jeden Augenblick verursachen. Wie
ist es möglich, angesichts dieses Wissens so großzügig
aufzuschieben, was das Gewissen verlangt? Allah sagt, dass jeder
Mensch, wenn er den Engel des Todes sieht, tiefe Reue wegen dem
verspürt, was er aufgeschoben hat, und sagen wird: ‚Ich
wünschte, ich hätte dies und das getan!' Das ist eine
untröstliche Reue, bei der es kein Zurück mehr gibt:
Und
an dem Tag, an dem der Unrechthandelnde seine beiden Hände
beißt, - er sagt: ‚Wehe mir! Hätte ich mir mit den Gesandten
einen Weg genommen, Und wehe, wehe mir! Hätte ich mir nicht
diesen da zum innigen Freund genommen, Er hat mich fehlgehen
lassen von der Ermahnung, nachdem sie zu mir kam … (Suratu-l-furqan
25:27-29)
Dass Allah Böses
nicht unmittelbar bestraft verleitet manche Menschen zu der
falschen Annahme, dass sie viel Zeit haben, gut zu machen, was
sie getan und versäumt haben. Würde Allah jede böse Tat in dem
Moment bestrafen, in dem sie begangen wird, dann würde keiner
mehr etwas Falsches tun. Aber das Aufschieben der Strafe ist
eine Prüfung, bei der sich herausstellt, wer der
Rechtschaffenheit Folge leistet, wer bereut und sich bessert,
und wer fortfährt, falsch zu handeln. Dass Allah uns diese
Gelegenheit gegeben hat, uns im Leben zu bessern, ist ein
Ausdruck Seiner ewigen Gnade. In einem Quranvers heißt es:
"Und
wenn Allah die Menschen für das herannehmen würde, was sie
erworben haben, Er würde auf ihrem Rücken (d.h. dem Rücken der
Erde) kein Lebewesen übriglassen, aber Er gibt ihnen Aufschub
bis zu einer festgesetzten Frist, und wenn ihre Frist kommt, so
hat Allah ja Seine Knechte im Blick." (Suratu-l-fatir 35:45)
Die Menschen sollten
sich nicht durch die Tatsache täuschen lassen, dass Allah böse
Taten nicht sofort vergilt, denn es ist sicher, dass sie im
Jenseits sorgfältigst beglichen werden. Allah beschreibt diesen
Zustand:
… und
sie sagen zu sich selber: 'Warum straft uns nicht Allah für das,
was wir sagen?' Genug für sie ist die Hölle, sie braten in ihr,
und wie schlecht ist das endgültige Sein! (Suratu-l-mudschadila
58:8)
Wer es vermeidet,
über das Jenseits nachzudenken, versucht vielleicht sein
Gewissen mit verschiedenen Entschuldigungen und Lüge zu
beruhigen, aber am Tag des Rechenschaftablegens wird keine
Entschuldigung angenommen. Sich selbst zu betrügen bringt
vielleicht vorübergehende Beruhigung und hilft, der Wirklichkeit
zu entkommen, aber nur für kurze Zeit. Doch es gibt etwas, das
die Leute vergessen, wie es im Quran heißt:
Und es sagen diejenigen, denen das Wissen
gegeben wurde und der Glauben: ‚Ihr habt schon nach Allahs
Schrift, bis zum Tag der Auferweckung verweilt, und dies ist der
Tag der Auferweckung, aber ihr habt es nicht gewusst.' Und an
diesem Tag nützt denjenigen, die Unrecht gehandelt haben, ihre
Entschuldigung nicht, und sie werden nicht nach Umkehr gefragt.
(Suratu-rum 30:56-57)
Das Ende derjenigen,
die ihr Gewissen mit verschiedenen Entschuldigungen zum
Verstummen bringen, ist wie folgt beschrieben:
An
dem Tag nützt den Unrechthandelnden ihre Entschuldigung nichts,
und für sie ist der Fluch, und für sie das Böse der Heimstätte.
(Sura ghafir 40:52)
Suleyman Yusuf |