Jene,
die Ihrem Gewissen nicht folgen,
weil Sie sich für Nichts
benötigend halten
Einer der wichtigsten
Faktoren, durch den die Menschen ihr Gewissen ausschalten, ist
ihre Ansicht, dass sie nichts benötigen. Wenn man sie zum
Beispiel nach ihrem Befolgen des Islam fragt, sagen die meisten
Leute, dass es genüge, niemandem zu schaden und zu versuchen,
ein guter Mensch zu sein. Aber das ist reiner Selbstbetrug.
Wichtig ist vielmehr, Allahs Diener zu sein und so zu leben, wie
Er es will. Wenn der Mensch das nicht tut, ist alles, was er
macht, bedeutungslos und schädlich. Allah sagt im Quran:
Also
wer ist es, dem das Schlechte seines Tuns schön gemacht wird,
und er sieht es als gut? Und Allah lässt fehlgehen, wen Er will,
und Er leitet recht, wen Er will … (Suratu-l-fatir 35:8)
Was jemandem seine
Tasten als gut und schön erscheinen lässt ist die Annahme, sein
eigenes Urteil sei vollkommen. Wer sich für aus Allahs sicht
mildherzig und großzügig hält, gehört zu diesen Menschen. Die
Wahrheit ist tatsächlich ganz anders als von ihnen angenommen.
In einem Quranvers heißt es, dass es der wichtigste Grund ist,
von der Wahrheit abzuweichen, wenn man sich für nichts
benötigend hält:
Keineswegs! Bestimmt, der Mensch ist ja maßlos, Dass er sich
sieht, als habe er nichts nötig. (Suratu-l-alaq 96:6-7)
Die sprachliche
Bedeutung des Wortes "mustagni - nichts nötig habend" ist "ohne
Bedürfnis, zufrieden sein." Die Bedeutung im Quran bezieht sich
auf jemanden, der seine Nähe zu Allah, seiner Furcht vor Allah
und dem Jenseits, seine guten Taten und seine Frömmigkeit als
ausreichend ansieht und der sich deshalb nicht um Verbesserung
darin bemüht. Die meisten Menschen weichen aus diesem Grund von
Allahs Weg ab.
Obwohl die Leute sich
als nichts nötig habend erachten, wissen sie eigentlich doch in
ihrem Gewissen, wie unvollkommen sie sind und worin sie Allah
nicht zufrieden stellen. Darum vermeiden sie es, über Themen wie
den Tod, den Tag des Weltenendes und das Jenseits zu sprechen.
Wenn jemand so ein Thema anspricht, versuchen sie es zu
wechseln, weil es "bedrückend" ist. Der Grund, weshalb sie
bedrückt sind, ist, dass sie ihrem Gewissen zuwiderhandeln, und
auf das Thema einzugehen macht sie innerlich unruhig.
Für einen Menschen,
der auf sein Gewissen hört, ist es nicht möglich, sich so zu
fühlen als habe er nichts nötig. Im Gegenteil, er hält nach
Besserem Ausschau und versucht, alles besser zu machen. Denn das
Gewissen des Menschen erinnert ihn immer wieder an den Tag der
Abrechnung. Jemand, der weiß, dass er Allah Rechenschaft über
sein Leben in dieser Welt abzulegen hat, wird seine Taten nie
als ausreichend ansehen. Er tut, was ihm sein Schöpfer aufträgt,
mit größter Aufmerksamkeit. Im Quran wird auf jene, die
ernsthaft nach Allahs Zufriedenheit und dem Jenseits streben,
wie folgt verwiesen:
Wer
das davoneilende Leben mochte, dem haben Wir eilig darin
gegeben, was Wir wollen, für wen Wir möchten, - dann haben Wir
für ihn die Hölle gemacht, er brennt dort, blamiert, verjagt,
Und wer das Jenseits mochte und sich dementsprechend darum
bemühte, und er ist ein Gläubiger, also diese, - ihr Bemühen
wird gedankt. (Suratu-l-isra 17:18-19)
Kein Zweifel, nach
Allahs Weg zu streben, wie es sich gehört, kann nur, wie schon
zuvor gesagt, unter Befolgen des Gewissens gelingen. Nach dem
Verständnis der Unwissenden genügt es, einen durchschnittlichen
Charakter in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Trend in der
Gesellschaft zur Schau zu stellen. Viele Menschen halten sich
für fromm genug, solange sie keine Verbreche wie Mord,
Vergewaltigung oder Diebstahl begehen. Sie denken nicht daran,
dass es Hunderte von guten Taten und Arten des Gottesdienstes
gibt, die sie aufschieben oder völlig außer acht lassen. Obwohl
es verboten ist, klatschen sie, beten nicht regelmäßig,
versuchen nicht ihr moralisches Verhalten zu verbessern und
danken ihrem Herrn nicht für die Gnaden, die Er ihnen erweist.
Wenn es ihnen passt, handeln sie ungerecht und lügen, um ihre
Schuld zu verbergen. Dass sie sich als nichts nötig habend
ansehen und die Abrechnung im Jenseits nicht fürchten ist ein
Zeichen ihrer Unwissenheit und Kurzsichtigkeit.
Die Propheten und
Gläubigen im Quran stellen die besten Beispiele des höchsten
Maßes der Gewissensbezogenheit dar. Der Prophet Josef (a.s.)
zum Beispiel bat Allah:
Mein
Herr, Du hast mir schon von der Herrschaft gegeben und mich von
der Deutung der Geschehnisse gelehrt, Hervorbringer der Himmel
und der Erde, Du bist mein Schutzfreund in dieser Welt und im
Jenseits, nimm mich zu Dir als friedenmachend Ergebener, und
lasse mich zu den Rechtschaffenen hinzukommen. (Sura Jusuf
12:101)
Obwohl er Allahs
auserwählter Prophet war, bezog er sich mit Furcht und Hoffnung
auf das Jenseits. Unwissende Leute reden so, als ob sie sicher
sind, ins Paradies zu gelangen. Wenn ihre blinde Arroganz noch
weiter wächst, laufen sie Gefahr, dass ihnen ein böses Ende
droht:
Dass
nicht eine Seele sagt: ‚O Jammer über mich, darüber, was ich
vernachlässigt habe seitens Allahs, und ich war wirklich einer
von denen, die sich lustig machten', Oder sie sagt: ‚Wenn Allah
mich rechtgeleitet hätte, bestimmt wäre ich einer von den
Gottesfürchtigen gewesen', Oder sie sagt, wenn sie die Strafe
sieht: ‚Wenn es für mich eine Rückkehr gäbe, so wäre ich einer
von den Guthandelnden:' Doch nein! Meine Zeichen sind schon zu
dir gekommen, und du hast sie geleugnet, und du hast dich groß
gewähnt, und du warst einer von den Glaubensverweigerern. Und am
Tag der Auferstehung siehst du diejenigen, die über Allah
gelogen haben, ihre Gesichter schwarz geworden. Ist nicht die
Hölle Aufenthalt für die Großtuer? (Suratu-zumar 39:56-60)
Suleyman Yusuf |