Das Gewissen sucht nach dem
Verhalten,
das Allah am besten zufrieden stellt
Das Gewissen des Menschen unternimmt große
Anstrengungen, um zur Zufriedenheit Allahs tätig zu
sein. Es fragt stets: Wie kann ich Allah am besten
zufrieden stellen? Es fragt nicht nach der
Zufriedenheit anderer Menschen und sorgt sich auch
nicht nach seinem Ansehen in ihren Augen. Es wendet
sich allein in Reue zu Allah. Manche Menschen leben
den Islam ohne ihr Gewissen heranzuziehen und
stattdessen auf eine traditionelle und
gewohnheitsmäßige Weise, wie sie es bei ihren
Vorfahren gesehen haben. Sie verrichten bestimmte
gottesdienstliche Riten, die sie auswendig gelernt
haben, und damit sind sie zufrieden. Sie haben eine
Lebensweise gewählt, die dem Islam nur Lippendienst
erweist. Der Grund dafür ist vielleicht, dass sie
Konflikte mit ihren Zeitgenossen vermeiden wollen
oder einfach nur, weil sie so erzogen wurden. Statt
darüber nachzudenken, was sie tun sollten, um Allah
zufrieden zu stellen, denken sie: Was ist das
Minimum, das ich tun muss, damit die Leute glauben,
dass ich meine Religion praktiziere?
Es ist aber nicht möglich, den Islam zu leben,
ohne das Gewissen voll und ganz heranzuziehen. Ein
wirklich nach dem Gewissen lebender Mensch denkt
darüber nach, wie er jede Art des Gottesdienstes auf
beste Weise verrichten kann. Er bemüht sich, sicher
zu stellen, dass weder seine Taten noch seine Worte
am Tag der Abrechnung eine Gefahr für ihn sind. Er
weiß, dass ihm im Jenseits vergolten wird, was er
tut. Allah warnt die Menschen davor:
Und richtet das Gebet ein und
gebt die Almosen, und was ihr vorausschickt für eure
Seelen an Gutem, ihr findet es bei Allah, Allah hat
ja im Blick, was ihr tut. (Suratu-l-baqara 2:110)
Ein Beispiel aus dem Quran für jemanden, der
versucht, etwas auf beste und schönste Weise zu tun,
wird den Gläubigen bezüglich des "sagen was besser
ist" gegeben:
Und sage zu Meinen Knechten, sie
sollen sagen, was besser ist. Der Teufel stachelt ja
an zwischen ihnen, der Teufel ist ja für den
Menschen ein klarer Feind. (Suratu-l-isra 17:53)
Wer dieses Gebot von Allah kennt, wird sich um
die beste Sprache bemühen, indem er sein Gewissen
befragt. Er wird nicht einfach losreden, was ihm
gerade einfällt. Im Gegenteil, er spricht auf
schönste und eindruckvollste Weise, und er achtet
sorgsam darauf, dass er die Menschen, zu denen er
spricht, nicht verzagt macht. Er wählt die Worte,
die Allah am meisten zufrieden stellen, und dabei
zieht er sein Gewissen als Grundmaßstab heran.
In einem anderen Quranvers teilt Allah die
Menschheit im Hinblick auf ihre Zuwendung zum Islam
in drei Gruppen:
Dann ließen wir die Schrift
diejenigen erben, die Wir von unseren Knechten
auserwählt haben, und unter ihnen ist mancher gegen
sich selbst Unrechthandelnde, und unter ihnen ist
mancher in der Mitte, und unter ihnen ist mancher
mit den guten Taten Vorausgehende, mit der Erlaubnis
Allahs, dies, es ist die große Gunst.
(Suratu-l-fatir 35:32)
Wie es in diesen Versen heißt, gibt es manche
Menschen, die überhaupt nicht nach dem Islam leben,
andere befolgen nur zum Teil, was ihnen ihr Gewissen
sagt und wenden nur einen Teil ihrer Zeit und ihrer
Mittel für den Islam auf, aber nur, wenn es nicht
ihren sonstigen Interessen zuwiderläuft. Sie machen
keine ernsthaften Anstrengungen, um den Islam und
das gute Verhalten unter den Menschen zu verbreiten.
Indem sie glauben, dass sie ja schon darauf achten,
was verboten und erlaubt ist, gehen sie davon aus,
dass ihre gottesdienstlichen Verrichtungen, die sie
ausüben, sie auch moralisch kompetent machen.
Tatsächlich ist das Gewissen am meisten
angemessen, die moralisch richtigsten und schönsten
derjenigen Handlungen zu wählen, die erlaubt und
akzeptabel sind. Hierzu hat Allah im Quran im
Hinblick auf jene, die dem besten, das gesagt wurde,
folgen, mit Hochachtung gesagt:
Diejenigen, die das Wort hören
und seinem Besten folgen, diese sind es, die Allah
rechtleitet, und diese, sie sind die mit der
Einsicht. (Suratu-zumar 39:18)
Die dritte Gruppe, die einander im Guten
übertreffen, sind jene, die in voller
Übereinstimmung mit ihrem Gewissen handeln. Sie
versuchen einander zu übertreffen, um den höchsten
Lohn von ihrem Herrn zu erhalten und sind zu jedem
Dienst und jeder guten Tat bereit, ohne auf jemanden
sonst zu warten. Wenn es etwas besseres zu tun gibt,
erlaubt ihnen ihr Gewissen nicht, bei dem weniger
Guten zu bleiben, ohne sich um dessen Verbesserung
zu bemühen.
Wie man sieht, verlangt das Gewissen nicht nur,
Allah zu kennen und Sein Dasein zu akzeptieren,
sondern Taten zu tun, die Ihn zufrieden stellen und
dem große Aufmerksamkeit zu schenken. Die meisten
Menschen denken, es genüge, an Allahs Dasein zu
glauben. Der Quran richtet sich mit folgenden Worten
an sie:
Sag: Wer versorgt euch von den
Himmeln und der Erde, oder wer hat Gewalt über das
Hören und die Blicke, und wer bringt das Lebendige
aus dem Gestorbenen hervor und bringt das Gestorbene
aus dem Lebendigen hervor, und wer lenkt die
Angelegenheit? Und sie werden sagen: 'Allah!' So
sag: Also seid ihr nicht gottesfürchtig? Also dieser
Allah, euer Herr, ist die Wahrheit, und was gibt es
nach der Wahrheit außer dem Fehlgehen? Also wie seid
ihr weggewendet? (Sura Yunus 10:31-32)
Wie diese Verse zeigen, glauben solche Menschen
an Allahs Dasein und akzeptieren auch, dass Allah
sie versorgt, dass Er Leben und Tod gibt, und dass
Er der Schöpfer ist, dem alles gehört. Sie ziehen
ihr Gewissen nur insoweit heran, als es ihnen eine
solche Sicht der Dinge gibt und sehen dies als
ausreichend für ihren Glauben an. Ein Mensch, der
sein Gewissen voll und ganz einbringt, verspürt
hingegen eine respektvolle Furcht vor Allah, weil er
von der Erhabenheit Allahs weiß. Diese Furcht ist
anders als sonstige Furcht, es ist die Furcht davor,
Allahs Gutheißung zu verlieren. Das ganze Leben
eines Menschen, der diese Furcht verspürt, besteht
nur darin, allein die Zufriedenheit Seines Herrn zu
finden. Er setzt sich in seinem Bemühen der
Annäherung an Allah keine Grenzen. Im Quran wird der
Prophet Abraham (a.s.) als ein Beispiel dafür
gegeben:
Und wer ist besser an Religion
als wer sein Antlitz friedenmachend Allah ergeben
hat, und er ist ein Guthandelnder, und er folgte der
Glaubensgemeinschaft Abrahams, des Rechtgläubigen?
Und Allah hat Sich Abraham zum innigen Freund
genommen. (Suratu-nisa 4:125)
Ein Mensch, der völlig seinem Gewissen gemäß
handelt, wird nach dem höchsten Grad des Verstehens
streben, das dem Menschen möglich ist, er wird sich
Tag und Nacht abmühen, Allahs Macht und Majestät zu
erkennen, sich Ihm anzunähern und zu Seinem innigen
Freund zu werden. Weil er aber nie sicher sein kann,
die höchste Form der innigen Freundschaft und Nähe
erlangt zu haben, wird dieses Bemühen und diese
Bereitschaft bis zu seinem Lebensende anhalten.
Man fragt sich vielleicht, wie es überhaupt
möglich ist, Allah nahe zu sein. Der Schlüssel dazu
ist wiederum unser Gewissen, wie es auf den
folgenden Seiten erläutert wird.