Der Begriff Hadîth (arab.:
Mitteilung, Erzählung) wird in der
islamisch-religiösen Terminologie für die
Überlieferungen der Äußerungen des Propheten
Muhammed (Allahs Segen und Friede auf ihm),
ebenfalls seiner Handlungen oder seiner
stillschweigenden Billigungen oder
Ablehnungen von Handlungen, wenn sie in
Seiner Gegenwart geschahen, benutzt.
Im Qur`an ist zu lesen: Und was euch der
Gesandte gibt, nehmt es. (QUR`AN 59:7)
Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir: Gott wird
euch lieben und euch eure Sünden vergeben,
denn Gott ist der, welcher oft vergibt, der
Barmherzige.
(QUR`AN 3: 31)
"Sunna bedeutet wörtlich: Weg bzw. Art
und Weise der Lebensgestaltung. Als
Fachausdruck im Islam bezieht sich Sunna auf
die Lebensgestaltung des Propheten Muhammad
(sav); genauer gesagt auf die Gewohnheiten
und Wege, von denen er wünschte, dass die
Muslime ihnen folgen sollten, und auf die
Handlungen und Normen, denen zufolge der
Prophet lebte und die er empfahl, aber nicht
zur Pflicht machte.
Mit diesem Thema, zu dem es auch eine
Vielzahl ausgezeichneter Bücher gibt, haben
sich die islamischen Gelehrten sehr
eingehend beschäftigt. Sie alle teilen die
Auffassung, dass der Weg der Sunna der Weg
des din (Religion) ist und dass die Sunna
einer Treppe oder einer Leiter gleicht, die
zur al-Haqq (die Wahrheit; einer der Namen
Gottes) führt.
Die Sunna ist ein so verdienstvoller Weg,
dass alle Systeme und deren Prinzipien -
selbst wenn sie von Tausenden von Gelehrten
und Heiligen (auliya) begründet sind - neben
ihr unbedeutend, blass und unklar
erscheinen. Alle Mystiker, spirituellen
Lehrmeister und Wahrheitssuchenden haben in
diesem Sinne von der Sunna gesprochen und
sie anerkannt. Sie haben die Menschen
aufgefordert, ihr zu folgen.
Gott hat die Propheten berufen und durch sie
eine rechtmäßige Art der Lebensgestaltung
(din) offenbart, zu der Pflichten, Moral und
angemessenes Verhalten gehören. Als den
letzten Seiner Propheten hat Gott Muhammad,
Friede sei mit ihm, gesandt, den Er bei all
seinen Handlungen rechtleitete. Über ihn
vermittelte uns Gott die Begriffe fard
(unbedingte Pflicht), wadschib
(Notwendiges), sunna, mustahabb
(Wünschenswertes) und adab (Wohlverhalten).
Muhammad (sav) war, ist und bleibt die
perfekte Verkörperung all dieser Begriffe,
das beste Vorbild und ein Lehrmeister für
die gesamte Menschheit. Wer also der
Lebensweise des Propheten folgt, kommt Gott
näher und erwirbt sich einen Rang, wie er im
folgenden hadith qudsi (ein Hadith, in dem
Allah selbst spricht) beschrieben wird:
Mein Diener nähert sich Mir am besten durch
die religiösen Pflichten, die Ich so sehr
schätze und ihm auferlegt habe; und durch
freiwillige Mehrleistungen kommt er mir noch
näher, sodass Ich ihn liebe. Wenn Ich ihn
liebe, dann bin Ich sein Gehör, mit dem er
hört, sein Auge, mit dem er sieht, seine
Hand, mit der er greift, und sein Fuß, mit
dem er geht.[Bukhari] Zum einen besagt
dieser hadith qudsi, dass Gott einen
Gläubigen wie diesen die wahre Realität
aller Dinge sehen lässt und ihn so in die
Lage versetzt, die Dinge richtig und
nachhaltig zu beurteilen. Indem Gott ihm
neue Tore und Horizonte öffnet, führt Er ihn
zur Wahrheit. Das verleiht dem Gläubigen
Flügel, mit denen er ebenso leicht der
Rechtleitung entgegen fliegt, wie er dem
Irrtum und schlechten Einflüssen entkommt.
Wenn er eine Stimme hört, die zur Wahrheit
ruft, findet er zu sich selbst, gewinnt
seine Begeisterung zurück, beginnt nach
erhabenen Zielen zu streben, fasst
Beschlüsse und blüht moralisch und
spirituell auf. Wenn er spricht, lässt Gott
ihn die Wahrheit sprechen. Wenn er etwas
tut, führt ihn Gott zum Guten und zu
günstigen Ergebnissen und lässt ihn keine
Sekunde lang mit seinem Selbst (nafs)
allein. Da der Diener nach der Anerkennung
und Zufriedenheit (rida) Gottes strebt,
gewährt Gott ihm Möglichkeiten und lässt ihn
zu Seiner Zufriedenheit (mardiat
as-subhaniya) handeln.
Aus diesem Grunde hat Gott über das Leben
des Propheten Muhammad (sav) und der
Repräsentanten Seiner Religion in anderen
Zeitaltern gewacht. Deshalb hat er alle vor
ihnen liegenden Wege blockiert mit Ausnahme
des einen, der zu Seiner Zufriedenheit
führt. Er hat sie davon abgehalten, andere
Wege als Seinen Eigenen zu wählen, und sie
dadurch zur einen und einzigen Sunna
geführt. Dem Weg der Sunna sind schon so
viele Menschen gefolgt, dass er inzwischen
zur offenen Straße, ja zu einer Autobahn
geworden ist, die zur Errettung führt. Die
Sunna ist heute der einzige Weg, der vor
jeder Fehlleitung sicher ist und ganz gewiss
zum Ziel, zum Erfolg und zum Glück in dieser
und in der kommenden Welt führt.
In einer Zeit, in der Niederträchtigkeit,
Schlechtigkeit und Intrige so weit
verbreitet sind, ist es von allergrößter
Wichtigkeit, danach zu streben, die Sunna
wiederzubeleben und wiedereinzusetzen, sie
neben fard und wadschib zu praktizieren,
ihre zentrale Position in der Gesellschaft
der Zukunft zu sichern und dafür zu sorgen,
dass sie bis zum Tage des Jüngsten Gerichtes
Bestand hat.
Gesegnet sind die Menschen, die sich dieser
Aufgabe stellen. Sie stehen im Range von
Märtyrern und werden einen entsprechenden
Lohn erhalten. Den Lohn von zwei Märtyrern
zu erhalten, wäre ja schon segensreich
genug, doch versprochen wird noch mehr als
das. Diejenigen, die sich darum bemühen, die
Wahrheit des iman (Glauben) wiederzubeleben,
werden sogar einen Lohn erhalten, der den
von einhundert Märtyrern bei weitem
übertrifft.
Die Wiederbelebung bestimmter Elemente der
Sunna ist des versprochenen Lohnes ganz
besonders würdig. Zum Beispiel gibt es eine
Art verleumderischer Nachrede, die noch
verwerflicher ist als Ehebruch oder Mord.
[Daylami, 3, 116]
Ganz offensichtlich unterscheidet sich die
Verleumdung von Einzelpersonen von der
Verleumdung einer ganzen Gesellschaft, die
für diese ein verheerendes Chaos nach sich
ziehen kann. Hier kann die Sünde eines
einzelnen Menschen dazu führen, dass sich
ein Übel weit verbreitet. In einer Zeit, in
der Muslime zu schlechtem Handeln (ifsad)
aufgefordert und die Macht, der Einfluss und
die Verbreitung des Islam verhindert bzw.
untergraben werden, werden diejenigen, die
danach streben, einen Aspekt des din zu
restaurieren und wiederzubeleben, mit
Sicherheit den Lohn vieler Martyrien
erhalten. Noch größer wird ihr Lohn dann
sein, wenn sie ihre aufrichtigen Bemühungen
auf die heiligen Tage, Nächte und Monate des
Islam konzentrieren.
Diejenigen, die sich in den Dienst Gottes
stellen, werden für das, was sie tun,
begünstigt und gesegnet. Und wenn Er es für
richtig hält, kann Gott Seine Gunst und
Seinen Segen noch verstärken. In einer Zeit,
in der alles dafür getan wird, dem Islam
Widerstand zu leisten, für die
Wiederbelebung des islamischen Denkens und
Lebens einzutreten, daran zu arbeiten,
brauchbare Institutionen mit einem
aufrichtigen und fähigen Mitarbeiterstab zu
gründen und das islamische Bewusstsein
junger Menschen zu wecken - all dies gehört
zu einer einzigartigen Aufgabe, die in
gewisser Hinsicht eine Fortführung der
Mission des Propheten in der heutigen Zeit
darstellt. Wenn so bedeutende
Persönlichkeiten und spirituelle Führer des
Islam wie Abdulqadir al-Dschilani und andere
nach so langer Zeit aufgetreten sind, um
ihre moralische Unterstützung zu geben, dann
liegt dies in der großen Bedeutung der
Pflichten und in der Notwendigkeit
begründet, diese zu erfüllen. Dass der
Prophet in Träumen erschienen ist und über
die Menschen, die sich auf seinem Weg
befinden, wacht, sie unterstützt und ihnen
frohe Botschaften übermittelt, ist ein
Wunder (karama) der Sunna im Dienste der
Sunna. Solche Vorkommnisse können unter
keinen Umständen eine Anerkennung der
Verdienste und Tugenden eines Individuums
darstellen und dürfen auch nie für eine
solche gehalten werden. Bestimmte
Individuen, Gruppen und Institutionen, die
sich dieser Aufgabe widmen und bedeutende
Entwicklungen in Gang setzen, werden jedoch
zweifellos einen großen Anteil an der Gnade
und dem Segen Gottes erhalten. Dies muss
einfach so sein, was ja auch der Ausspruch
„Wer ein Ereignis veranlasst, ist genauso
zu betrachten, wie der, der es durch sein
Handeln herbeigeführt hat.“ bestätigt,
für dessen Begründung ein anderer Aspekt des
ungeheuren Wohlwollens Gottes verantwortlich
ist. Wenn es andererseits denjenigen, die in
dieser Richtung tätig waren, nicht gelingt,
Reinheit, Aufrichtigkeit, Begeisterung und
Schwung, mit denen sie ihre Aufgabe
angegangen sind, beizubehalten, werden ihnen
die Verantwortung und das anvertraute Gut (amana)
aus der Hand genommen. Einige von ihnen
werden dann zurückgewiesen, ausgeschlossen
und sogar von der Vorsehung verlassen,
während das anvertraute Gut in der Folge an
andere verdienstvolle Menschen
weitergereicht wird. Nur dann, wenn wir uns
der Gunst Gottes bewusst werden und sie zu
schätzen wissen, wenn wir aufrichtig
versuchen, alles zu tun, was in unseren
Kräften liegt, und wenn wir aus den
Möglichkeiten, die sich uns bieten, das
Beste machen, werden wir diese Prüfung
bestehen und uns weiterer größerer Wohltaten
Gottes würdig erweisen.
Möge Gott uns in die Lage versetzen,
energisch und mit äußerster Aufrichtigkeit
bis zu unserem letzten Atemzug auf dem Weg
des iman, des Qur`an und der Sunna zu
agieren; denn jeder Augenblick, in dem wir
uns dieser Aufgabe widmen, erbringt uns den
Lohn vieler Martyrien." (Gülen)
Quelle: www.fragenandenislam.de