Hauptseite Hadithwissenschaft  Arten der Hadīthwerke

   

 

Arten der Hadīthwerke

Die Gelehrten haben bei der Erstellung ihrer Hadīth-Werke verschiedene Methoden angewandt und uns somit eine reiche Bibliothek an verschiedenen Hadīthwerken hinterlassen.

Mit der Auflistung der verschiedenen Methoden, die bei der Verfassung der Hadīthwerke angewandt wurden, soll verdeutlicht werden, wie viel Mühe sich die Hadīthgelehrten bei der Bewahrung der Sunna gegeben haben und welche kreativen Einfälle sie hatten, um es dem Forscher nach einer Überlieferung und den Grad seiner Authentizität so einfach wie möglich zu machen.

Im Folgenden sind die wichtigsten Arten von Hadīthwerken und ihre jeweiligen Methoden aufgezeigt und erläutert.

1.1.1             Hadīthwerke, deren Kapitel hinsichtlich der Themenbereiche unterteilt werden

1.1.1.1       Jāmi’ الجامع

Definition:

·      Linguistisch:

Partizip Passiv von „jama’a جمع, was so viel wie „sammeln, vereinen und zusammenstellen“ bedeutet. Der Plural lautet jawāmi’“ جوامع.

·      Fachspezifisch:

Ein Jāmi’ ist ein Hadīth-Werk, welches in Kapitel unterteilt ist, die alle Themenbereiche der Religion umfassen. Sie bestehen jeweils aus den folgenden Hauptkapiteln, welche dann noch mal in Unterkapitel untergliedert sind:

·      Al-’aqāi’d العقائد(Glaubensgsrundlagen)

·      Al-ahkām الأحكام(Rechtsbestimmungen)

·      As-siyarالسير (Biographien)

·      Al-ādāb الآداب (Verhaltensregeln)

·      At-tafsīr التفسير(Qur‘ānexegese)

·      Al-fitan الفتن(Zwistigkeiten)

·      Vorboten des Jüngsten Tages علامات الساعة

·      Al-manāqib المناقب(Tugenden)

Die bekanntesten Werke nach dieser Methode

·      Al-jāmi’ as-sahīh von Imām Al-Bukhārī

·      Al-jāmi’ as-sahīh von Imām Muslim[1]

1.1.1.2       Sunan السنن

Definition:

·      Linguistisch:

Sunan ist der Plural von Sunna“, mit der die Sunna in der Bedeutung wie sie die Hadīthwissenschaftler verwenden, gemeint ist.

·      Fachspezifisch:

Hierbei handelt es sich um ein Hadīth-Werk, welches Hadīthe mit islamischen Rechtsbestimmungen enthält, die Marfū’ sind und diese nach den Themenbereichen des Fiqh[2] unterteilt.

Die bekanntesten Werke dieser Art

·      Sunan Abī Dāwūd

·      Sunan At-Tirmidhī

·      Sunan An-Nasā‘ī

·      Sunan Ibn Mājah

Diese vier Werke werden auch als die „Vier Sunan“ (As-sunan al-arba’a السنن الأربعة) bezeichnet.

1.1.1.3       Musannaf المُصَنّف

Definition

·      Linguistisch: Etwas, was nach einem bestimmten Schema gegliedert ist.

·      Fachspezifisch:

Ein Musannaf ist ein Hadīthwerk, bei dem die Hadīthe hinsichtlich der Themenbereiche in Kapitel unterteilt werden. Im Unterschied zum Jāmi’ enthalten sie neben Marfū’ Hadīthen auch Mauqūf und Maqtū’ Hadīthe.

Die bekanntesten Musannaf-Werke

·      Musannaf ’Abdir- Rassāq Ibn Hammām

·      Musannaf Abī Bakr Ibn Abī Schība

1.1.1.4       Muwatta‘ مُوَطّأ

Definition

·      Linguistisch:

Partizip Passiv von watta‘a وطأ, was so viel wie „erleichtern und bereitstellen“ bedeutet. Es wurde so genannt, um den Menschen die Hadīthe nahezubringen und den Zugriff auf sie zu erleichtern.

·      Fachspezifisch:

Die gleiche Bedeutung wie Musannaf.

Die bekanntesten Muwatta‘-Werke

·      Muwatta‘ von Imām Mālik (gest. 179 n.H.)

·      Muwatta‘ von Ibn Abī Dhi‘b Muhammed Ibn Abdurrihmān Al-Madanī ( gest. 185 n.H.)

1.1.2             Hadīth-Werke, die alphabetisch nach den Namen der Sahāba, welche die Hadīthe überliefert haben, eingeteilt sind

Unter diese Kategorie fallen zwei Arten von Werken.

1.1.2.1       Musnad المسند

Definition:

·      Linguistisch:

Partizip Passiv vom Verb asnada أسند, was „jemandem etwas zuschreiben“ oder „sich auf etwas stützen“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Ein Musnad ist ein Hadīth-Werk, bei dem die Hadīthe nach den Namen der Sahāba geordnet werden. Geordnet werden sie entweder alphabetisch, gemäß dem Zeitpunkt ihrer Konversion zum Islam, oder gemäß der Stellung ihrer Abstammung.

Die bekanntesten Musnad-Werke

·      Musnad Al-Imām Ahmad Ibn Hanbal

·      Musnad Abī ’Alī Ya’lā Al-Mūsalī

1.1.2.2       Atrāf الأطْراف

Definition:

·      Linguistisch:

Atrāf ist der Plural von „Taraf“, was „Spitze, Ende und Rand“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Bei einem Atrāf-Werk wird im Unterschied zum Musnad-Werk nur ein Teil des Hadīthes genannt, der auf den Hadīth hinweist. Die Atrāf-Werke beinhalten mehrere Hadīthwerke und haben den Zweck, leichter an die verschiedenen Isnāds eines Hadīthes zu gelangen. Ferner erwähnen sie, in welchem Hadīthwerk dieser Hadīth zu finden ist, unter Angabe der Stelle im jeweiligen Hadīthwerk. Sie werden mit wenigen Ausnahmen[3] wie die Musnad-Werke alphabetisch nach den Namen der Sahāba geordnet.

Der Nutzen dieser Werke

Bei diesen Werken handelt es sich um eine Art Verzeichnis für die Hadīthe von verschiedenen Hadīthwerken, die mitunter folgende Vorteile haben:

·      Man gelangt schnell zu den verschiedenen Isnāds eines Hadīthes,

·      Man erfährt schnell, in welchen Werken und Kapiteln innerhalb dieser Werke diese Hadīthe zu finden sind.

Die bekanntesten Atrāf Werke

·      Tuhfat al-ashrāf bima’rifat-il-atrāf von Abū-Hajjāj Jūsuf Al- Muzzī (gest. 742 n.H.)

·      Dhakhā‘ir al-mawārīth fid-dalāla ’alā mawādi’ al-hadīth von Abdul-Ghani An-Nābulsī (gest. 1143 n.H.)

1.1.3             Hadīthwerke, die andere Hadīthwerke oder Bücher ergänzen

1.1.3.1       Mustadrakالمستدرك

Definition:

·      Linguistisch:

Mustadrak ist das Partizip Passiv vom Verb istadraka استدرك, was so viel wie „nachholen, verbessern und berichtigen“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Ein Mustadrak ist ein Hadīthwerk, welches ein anderes Hadīthwerk ergänzt, in dem es Hadīthe mit Isnād erwähnt, die den Bedingungen des Verfassers für die Akzeptanz eines Isnāds in seinem Hadīthwerk entsprechen, diesem jedoch entgangen sind.

Die bekanntesten Mustadrak-Werke

Die Gelehrten haben sich besonders intensiv mit den beiden Jāmi’-Werken von Imām Al-Bukhārī und Muslim beschäftigt, da es sich bei diesen beiden Werken um die wichtigsten Sahīh-Werke handelt.

Das bekannteste Mustakrad-Werk für diese beiden Werke ist „al-mustadrak ’alas-sahīhain“ von Imām Al-Hākim An-Naisabūrī.

Die Gelehrten kritisierten sein Mustadrak-Werk jedoch, da er Hadīthe zu leicht für authentisch eingestuft hat. Man darf also auf Grund seiner Authentisierung eines Hadīthes nicht voreilig einen Hadīth für sahīh erklären.

1.1.3.2       Mustakhraj المستخرج

Definition:

·      Linguistisch:

Partizip Passiv von istakhraja استخرج, was so viel wie „herausholen“ und „herleiten“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Ein Mustakhraj ist ein Werk, in dem der Verfasser die Hadīthe eines anderen Hadīthwerkes mit eigenen Isnāds überliefert, ohne den Verfasser dieses Werkes als Überlieferer im Isnād zu haben, sodass er mit dem Schaikh des Verfassers oder einem späteren Schaikh, selbst wenn es erst der Sahābī sein sollte, zusammentrifft.

Voraussetzung hierfür ist, dass der Verfasser des Mustakhraj nicht ohne Grund einen Isnād zu einem näheren Schaikh auslässt, um dadurch erst mit einem weiter entfernten Schaikh zusammenzutreffen. Zu den Gründen, die dies zulassen, gehört, dass der Verfasser dadurch einen höheren Isnād oder eine wichtige Ergänzung, die in der Version des Originalwerkes nicht vorhanden ist, erlangen kann.

Der Wortlaut des Matns vom Mustakhraj muss hierbei nicht unbedingt mit dem Wortlaut des Originalwerkes übereinstimmen.

Auch ist der Hadīth im Mustakhraj nicht automatisch sahīh wie im Originalwerk, da der Verfasser des Mustakhraj in seinem Isnād andere Überlieferer hat als der Verfasser des Originalwerkes.

Der Nutzen dieser Werke

·      Das Erlangen eines hohen Isnāds

·      Ergänzungen von Sahīh-Hadīthen

·      Unklarheiten im Isnād des Sahīh-Hadīthes können durch die Version des Hadīthes im Mustakhraj geklärt werden.

Die bekanntesten Mustakhraj-Werke

Für Sahīh Al-Bukhārī:

·      Al-mustakhraj von Al-Ismā’īlī

·      Al-mustakhraj von Al-Burqānī

Für Sahīh Muslim:

·      Al-Mustakhraj von Abū Uwana

·      Al-Mustakhraj von Abū Ja’far Ibn Himdan

Für beide Werke:

·      Al-Mustakhraj von Abū Nu’aim Al-Asfahani

·      Al-Mustakhraj von Abū Abdillah Ibn Al-Akhram

1.1.3.3       Takhrīj-Werke كتب التخريج

Definition:

·      Linguistisch: Das Herausbringen und Herausziehen.

·      Fachspezifisch:

Hierbei handelt es sich um Werke, die die Isnāds von Hadīthen eines bestimmten Werkes erwähnen, welches Hadīthe verwendet, ohne ihren Isnād und ihren Authentizitätsgrad zu erwähnen, und diese auch nach ihrer Authentizität beurteilen.

Die bekanntesten Takhrīj-Werke

·      Nusb ar-rāya li-ahādīth al-hidāya von Jamāluddīn Az-Zaila’ī (gest. 762 n.H.)

·      Al-mughnī ’an haml al-asfār fil- asfār fi takhrīj mā fil-ihyiā‘ min al-akhbār von Al-Hāfiz Abdurrahīm Al-’Irāqī

1.1.4             Werke, nach denen die Hadīthe gemäß des ersten Wortes im Hadīth in alphabetischer Reihenfolge geordnet werden

Hierfür gibt es zwei verschiedene Arten von Hadīthwerken.

1.1.4.1       Majāmi’  المجامع

Definition:

·      Linguistisch:

Majāmi’ ist der Plural von Majma’ مجمع, was sich vom Verb „jama’a جمع ableitet, das „sammeln“ und „zusammenfügen“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Majāmi’ sind Sammelwerke, die verschiedene Hadīthwerke umfassen. Hierbei gibt es zwei Methoden:

   1.   Majāmi’, bei denen die Hadīthe in alphabetischer Reihenfolge geordnet werden gemäß des ersten Wortes im Hadīth. Das bekannteste Werk dieser Methode ist:

·      Al-jāmi’ al-kabīr oder jam’ al-jawāmi’ von Jalāluddīn As-Suyutī (gest. 911 n.H.)

  2.   Majāmi’, bei denen die Hadīthe in Kapitel nach Themenbereichen unterteilt werden. Die bekanntesten Werke dieser Methode sind:

·                              Jāmi’ al-usūl min ahādīth ar-rasūl von Ibn Al-Athir Al-Mubarak Ibn Muhammad Al-Jazari (gest. 606 n.H.)

·                              Kanz al-’ummal fī sunan al-aqwāl wal-af’āl von ‘Alī Ibn Husām Al-Muttaqī Al-Hindī ( gest. 975 n.H.)

1.1.4.2       Werke, die unter den Menschen verbreitete Hadīthe sammeln

Beispiel:

Al-Maqāsid al-hasana fil-ahādīth al-muschtahara ’alā al-alsina von Imām As-Sakhawī.

1.1.4.3       Von zeitgenössischen Gelehrten angefertigte Inhaltsverzeichnisse für andere Hadīthwerke

Beispiel: Inhaltsverzeichnis für Sunan Ibn Mājah von Muhammed Fu’ād Abdul-Bāqī.

1.1.5             Mu’jam المعجم

Definition

·      Linguistisch: Wörterbuch; Lexikon

·      Fachspezifisch: Ein Mu’jam ist ein Hadīthwerk, bei dem die Hadīthe in der Regel alphabetisch nach den Schaikhs des Verfassers geordnet sind. Der Plural ist Ma’ajim.

Die bekanntesten Mu’jams

Al-mu’jam as-saghīr und al-ausat und al- Kabīr von Imām At-Tabarānī.

1.1.6             Zawī’id-Werke الزوائد

Definition:

·      Linguistisch: Zawā‘id ist der Plural von „zā’id“, was so viel wie „überschüssig“ bedeutet.

·      Fachspezifisch:

Zawā‘id-Werke sind Hadīthwerke, die Hadīthe aus einer Reihe von Hadīthwerken sammeln, die in einer anderen Reihe von Hadīthwerken nicht vorhanden sind. Hierbei werden nur die zusätzlichen Hadīthe erwähnt und die gleichen Hadīthe weggelassen.

Die bekanntesten Zawā‘id-Werke

·      Majma’ az-zawā‘id wa manba’ al-fawā‘id von Nur Ad-Din ‘Alī Ibn Abī Bakr Al-Haithamī (gest. 807 n.H.)

·      Al-matālib al-alīya bizawā‘id al-masānīd ath-thamanīya von Ibn Hajar Al-’Asqalānī

1.1.7             Juz’ الجزء

Definition:

·      Linguistische Bedeutung: Teil

·      Fachspezifische Bedeutung: Hierbei handelt es sich um ein Werk kleineren Umfangs, in dem Hadīthe über nur eines der folgenden Themen erwähnt werden:

  a)  Hadīthe eines Überlieferers, ganz gleich aus welcher Schicht.
Beispiel: Juz’ abī bakr.

  b) Aufführung der verschiedenen Isnāds eines Hadīthes. Beispiel: Ikhtiyār al-aulā fī hadīth ikhtisām al-mala‘il-a’lā von Hāfiz Ibn Rajab.

  c)  Hadīthe über ein bestimmtes Thema. Beispiel: Der Juz’ von Al-Bukhārī über das Rezitieren hinter dem Imām.

  d) Eine bestimmte Anzahl ausgewählter Hadīthe. Beispiel: Vierzig Hadīthe von Imām An-Nawawī.

1.1.8             Maschyakhāt المشيخات

Definition:

·      Linguistisch: Maschyakhāt ist der Plural von „Maschyakha“, was eine Sache ist, die sich auf einen Schaikh bezieht.

·      Fachspezifisch: Bei dieser Art von Hadīthwerken listet der Verfasser die Namen seiner Schaikhs auf sowie die Werke und Hadīthe, die er von ihnen überliefert hat. Diese Art von Werken werden auch „Fihrist“ oder „Thabt“ genannt.

Die bekanntesten Werke

Fihrist Al-Imām Abī Bakr Muhammad Ibn Khair

1.1.9             ‘Ilal-Werke العلل

Definition:

·      Linguistisch: Plural von „‘Illa“. Eine ‘Illa ist ein versteckter Fehler, der die Authentizität eines Hadīthes, der auf den ersten Blick authentisch erscheint, beeinträchtigt.

·      Fachspezifisch: Bei diesen Werken werden Hadīthe gesammelt, die eine ‘Illa haben. Es wird in ihnen auch aufgezeigt, um was für eine ‘Illa es sich handelt.

Die bekanntesten Werke

·      Al-’ilal von Ad-Dāraqutnī

·      ‘Illal ibn abī hātim von Ibn Abī Hātim Ar-Rāzī

Ferid Heider


[1]   Sowohl Sahiīh Al-Bukhārī als auch Sahīh Muslim haben einen anderen Titel, sind jedoch eher unter diesen beiden Bezeichnungen bekannt.

[2]   Die Themen der Fiqhwissenschaft:
   a)       Fiqh al-’ibādāt
فقه العبادات: (spirituelle Ebene der Fiqh-Wissenschaft
  b)       Familienrecht
فقه الأحوال الشخصية
  c)        Zivilrecht
فقه المعاملات (Vertragsrecht, Rechte und Pflichten der Individuen innerhalb des Sozialgefüges der Umma)
  d)       Strafrecht
الحدود و التعزيرات
  e)        Grundsätze der Staatsführung
الأحكام السلطانية
  f)        Völkerrecht
أحكام السلم و الحرب

[3]   Diese werden nach dem ersten Buchstaben im Matn alphabetisch geordnet. Beispiel hierfür: Atrāf al-gharā‘ib wal- afrād von Ad-Dāraqutnī.


Hauptseite  Hadithwissenschaft Arten der Hadīthwerke
 

| Islam | Quran | Muhammad | Risale-i Nur | Fragen & Antworten | Unterricht & Vortrag
|
Geschichte | Wissenschaft | Warum Islam | Multimedia | Für Kinder | Buch & Autor |
  |
Kunst & Kultur | Allgemein | Links | Gästebuch | E-Mail |