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2.Phase der Hadīthwissenschaft: 100-200 H. [tadwin]

Diese Phase beginnt Anfang des zweiten und endet Anfang des dritten Jahrhunderts nach der Hijra. In dieser Phase begannen die Gelehrten, die Hadīthe offiziell niederzuschreiben, wodurch die ersten Hadīthwerke entstanden. Die offizielle Aufforderung, die Hadīthe niederzuschreiben, ging vom omajadischen Kalifen ’Umar Ibn ’Abdil’azīz aus, der diesen Appell an die verschiedenen Regionen des damaligen islamischen Reiches richtete.

Imām Al-Bukhārī überliefert diesbezüglich, dass ’Umar Ibn ’Abdil’alzīz Abū Bakr Ibn Hazm folgende Worte schrieb: „Schaue was es an Hadīthen vom Gesandten – Allahs Segen und Friede auf ihm – gibt und schreibe diese auf, denn ich befürchte, dass das Wissen ausgelöscht wird und die Gelehrten verschwinden.“[1]

’Umar Ibn ’Abdil’azīz war der Erste, der angeordnet hat, dass Hadīthe niedergeschrieben werden sollen. Neben Abū Bakr Ibn Hazm beauftragte er damit auch andere Gelehrte aus den verschiedenen Regionen des damaligen islamischen Reiches. Diese Gelehrten bekamen den Auftrag, Hadīthe nur von bestimmten Personen zu sammeln und niederzuschreiben.

So hatte Abū Bakr Ibn Hazm die Aufgabe erhalten, die Hadīthe von ’Amra Bint ’Abdirrahmān Al-Ansāriya (gest. 98 n.H.) und Al-Qāsim Ibn Muhammad Ibn Abī Bakr (gest. 106 n.H.) niederzuschreiben. Die erste Person, die jedoch Hadīthe, ebenfalls im Auftrag von ‘Umar Ibn ’Abdil’azīz, umfassend niedergeschrieben hat, ist Imām Az-Zuhrī:

Ibn ’Abdilburr überliefert von Ad-Dārūrīdī: „Der Erste, der das Wissen (also die Hadīthe) festhielt und niederschrieb ist Ibn Schihāb.“[2]

Das Gleiche wird auch von Ibn Hajar, Abū Nu’aim und Ibn ’Asākir überliefert.

Die meisten Gelehrten bezeichnen deshalb Muhammad Ibn Schihāb Az-Zuhrī als ersten Gelehrten, der die Hadīthe festgehalten und niedergeschrieben hat.

Nach ihm folgten andere Gelehrte aus allen Zentren des islamischen Reiches.

Besonders hervorzuheben sind in:

·         Mekka: Ibn Juraij (150 n.H.) und Ibn Ishāq (151 n.H.)

·         Medina: Sa’īd Ibn Abī ’Arūba (156 n.H.), Ar-Rabī’ Ibn Sabīh (160 n.H.) Imām Mālik       (179 n.H.)

·         Basra: Hammād Ibn Salama (167 n.H.)

·         Kufa: Sufyān Ath-Thaurī (161 n.H.)

·         Region Syrien: Abū ’Amr Al-’Auzā’ī (157 n.H.)

·         Chorasan:  ’Abūllah Ibn Al-Mubārak (181 n.H.)

·         Jemen: Ma’mar (154 n.H.)

·         Ägypten: Al-Laith Ibn Sa’d (175 n.H.)

Diesen Gelehrten ging es zunächst darum, die Hadīthe schriftlich festzuhalten, weshalb sie sie nicht in Kapitel gliederten. Auch beschränkten sie sich in ihren Werken nicht nur auf Hadīthe, sondern hielten darin auch Aussagen der Sahāba und Fatwas von Tabi’ūn fest.

Die erste uns bekannte Person, die die Hadīthe in Kapitel aufteilte, ist Asch-Scha’bī.

Zu den bekanntesten Hadīthwerken dieser Zeit gehören Al-Muwatta‘ von Imām Mālik, Jāmi’ Sufyān Ibn ’Uyaina und Musannaf ’Abdurrazzāq.

In dieser Phase wurden Überlieferer zunehmend kritischer beurteilt, da viele unqualifizierte und unglaubwürdige Überlieferer die Hadīthe verbreiteten. Man akzeptierte Hadīthe nur noch von angesehenen und anerkannten Überlieferern, die als solche auch bekannt waren. Zu den bekanntesten Kritikern dieser Phase gehörten Schu’ba Ibn Al-Hajjāj und Sufyān Ath-Thaurī.

In dieser Phase entwickelte sich auch der theoretische Teil der Hadīthwissenschaft und für die Hadīthe wurden die verschiedenen Fachausdrücke eingeführt, ohne jedoch niedergeschrieben zu werden.

Ferid Heider
 

[1]   Al-Bukhārī, Kapitel 34

[2]   Jāmi’ bayān al-’ilm wa fadlihī von Ibn ’Abdilburr, S.51

 


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