|
Kapitel: Die
reumütige Umkehr
Hadithe Gesamtanzahl: 14
`Abdullah Ibn
Mas`ud, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm,
sagen: „Allah erfreut sich sehr an der reumütigen Umkehr seines
gläubigen Dieners. Die Freude Allahs darüber ist größer als die
Freude eines Mannes, der mit seiner mit Speis und Trank beladenen
Reitkamelin durch ein ödes und gefährliches Gebiet ritt. Er schlief
und stand dann auf, fand aber seine Reitkamelin nicht mehr. Er ging
seine Reitkamelin suchen, bis er Durst empfand. Da sagte er zu sich:
„Besser gehe ich zu demselben Ort zurück, wo ich gewesen bin, und
schlafe dort, bis mich der Tod ereilt.“ Er legte seinen Kopf auf
seinen Arm, und wartete auf den Tod. Als er aufstand, fand er seine
Reitkamelin, und auf ihr lagen noch sein Reisevorrat, Speis und
Trank. Allah ist mehr erfreut über die Reue Seines Dieners als einer
von euch es wäre, wenn er seine in einer gewaltigen Wüste verlorene
Reitkamelin und seinen Reisevorrat plötzlich wieder findet.“
[Sahih Muslim Nr. 4929
>>>>>
Anas Ibn Malik,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah
ist mehr erfreut über die Reue Seines Dieners als einer von euch es
wäre, dem sein Reittier mit seinem gesamten Proviant in einer Wüste
davongelaufen ist, und der, nachdem er die Hoffnung, es wieder zu
finden, bereits aufgegeben und sich in den Schatten eines Baumes
gelegt hatte, sein Tier plötzlich, während er dort liegt, mit
baumelndem Zügel direkt vor sich stehend findet, und der
überglücklich sagt: „Oh Allah, Du bist mein Diener und ich bin Dein
Herr!“, wobei er sich vor lauter Freude derart verspricht.“
[Sahih Muslim Nr. 4932
>>>>>
Abu Huraira,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Nachdem Allah
die Schöpfung vollbracht hatte, schrieb Er in seinem Buch nieder -
und dieses befindet sich bei Ihm auf dem Thron -: (Wahrlich,
Meine Barmherzigkeit überwiegt Meinen Zorn.)“
[Sahih Muslim Nr. 4939
>>>>>
Abu Huraira,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm,
folgendes sagen: „Allah ließ die Barmherzigkeit aus einhundert
Teilen entstehen, behielt bei Sich davon neunundneunzig Teile und
sandte nur einen Teil davon auf die Erde hinab. Aus diesem Teil üben
die Geschöpfe Barmherzigkeit unter einander aus, so dass eine Stute
ihren Huf von ihrem Tierbaby hochhebt, damit sie es nicht verletzt!“
[Sahih Muslim Nr. 4942
>>>>>
`Umar Ibnal
Khattab, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Es kamen Frauen und Kinder aus der Kriegsgefangenschaft zum
Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm. Eine Frau von ihnen
machte sich zur Aufgabe, dass sie Milch aus ihrer Brust drückte, um
den Kindern davon zu geben. Als sie ein Kind sah, nahm sie es,
drückte es fest an ihren Leib und stillte es. Der Gesandte Allahs,
Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte zu uns: „Haltet ihr es für
möglich, dass diese Frau ihr Kind ins Feuer werfen würde?“ Wir
sagten: „Nein, niemals wird sie es tun können!“ Der Gesandte Allahs,
Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Ich schwöre bei Allah, dass
Allah gegen Seine Diener noch barmherziger ist, als diese Frau gegen
ihr Kind.“
[Sahih Muslim Nr. 4947
>>>>>
Abu Huraira,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Ein
Mann, der niemals etwas Gutes getan hatte, sagte zu seiner Familie,
dass wenn er sterben sollte, sie seinen Leichnam verbrennen und die
Hälfte der Asche auf die Erde und die andere Hälfte ins Meer
verstreuen sollen, denn bei Allah, wenn Allah über ihn etwas
verhängt haben sollte, wird Er ihn so bestrafen, wie Er keinen
anderen zuvor bestraft hat! Als er starb, wurde mit ihm genauso
verfahren, wie er befahl und Allah erteilte der Erde Seinen Befehl,
alles, was sie von ihm (dem Mann) in sich verbirgt,
hervorzubringen. Er befahl aber auch dem Meer, alles, was es von ihm
(dem Mann) in sich verbirgt, hervorzubringen. Dann sagte Er
zu dem Mann: „Was hat dich zu dem bewogen, was du getan hast?“ Der
Mann sagte: „Die Furcht vor Dir, O Herr! Und Du weißt aber am besten
Bescheid.“ Da vergab ihm Allah seine Sünden.“
[Sahih Muslim Nr. 4949
>>>>>
Abu Sa`id
Al-Khudry, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah hat einem
Mann von den Menschen, die vor euch gelebt haben, Besitz und
Nachkommenschaft gegeben. Dieser sagte zu seinen Kindern: „Tut, was
ich euch befehle, sonst werde ich anderen meine Erbschaft geben!
Wenn ich also gestorben bin, verbrennt meinen Leichnam!“ Der
Prophet erzählte weiter: Soweit ich weiß, sagte der Mann auch:
„Dann zermahlt ihn und verstreut anschließend die Asche in den Wind,
denn ich habe niemals etwas Gutes getan. Wahrlich, Allah vermag mich
also zu bestrafen.“ Er nahm ihnen das Versprechen ab und sie haben
es bei Allah getan. Da sagte Allah zu ihm: „Was hat dich zu dem
bewogen, was du getan hast?“ Der Mann antwortete: „Die Furcht vor
Dir.“ Nur wegen dieses Wortes wurde ihm vergeben.“
[Sahih Muslim Nr. 4952
>>>>>
Abu Huraira,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte:
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, berichtete von seinem
Herrn, Dem Allmächtigen und Erhabenen: Ein Diener Allahs beging eine
Sünde und sagte: „O Allah mein Gott, vergib mir meine Sünde!“ Allah,
Der Segensreiche und Hocherhabene sagte: „Mein Diener beging eine
Sünde. Er hat aber gewusst, dass er einen Herrn hat, Der die Sünden
vergibt und wegen dieser bestraft.“ Dann beging er noch eine Sünde
und sagte: „O Herr, vergib mir meine Sünde!“ Der Segensreiche und
Hocherhabene sagte: „Mein Diener beging eine Sünde. Er hat aber
gewusst, dass er einen Herrn hat, Der die Sünden vergibt und wegen
dieser bestraft.“ Dann beging er noch eine Sünde und sagte: „O Herr,
vergib mir meine Sünde!“ Der Segensreiche und Hocherhabene sagte:
„Mein Diener beging eine Sünde. Er hat aber gewusst, dass er einen
Herrn hat, Der die Sünden vergibt und wegen dieser bestraft. Tue,
was du willst! Ich habe dir bereits vergeben.“ `Abdul A`la (ein
Überlieferer) fügte hinzu: Ich bin nicht sicher, ob Allah dies
beim dritten Mal oder vierten Mal gesagt habe.
[Sahih Muslim Nr. 4953
>>>>>
`Abdullah Ibn
Mas`ud, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Keiner
liebt es mehr gelobt zu werden, als Allah, deshalb lobte Er sich
selbst. Und keiner reagiert mit wachsamerer Sorge als Allah. Deshalb
verbot Er die Schändlichkeiten.“
[Sahih Muslim Nr. 4955
>>>>>
Abu Huraira,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Allah
reagiert manchmal mit wachsamer Sorge, und der Gläubige reagiert
auch manchmal in wachsamer Sorge. Was aber diese Reaktion bei Allah
hervorruft, ist, dass der Gläubige gegen das Verbotene verstößt.“
[Sahih Muslim Nr. 4959
>>>>>
`Abdullah Ibn
Mas`ud, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Als ein Mann eine Frau (widerrechtlich) küsste und alsdann
dem Propheten davon berichtete, offenbarte Allah daraufhin folgenden
Qur’anvers: »Und verrichte das Gebet an
beiden Enden des Tages und in Stunden der Nacht. Die guten Taten
lassen die bösen Taten vergehen. Das ist eine Ermahnung für
diejenigen, die (Allahs) gedenken.« Da sagte der Mann: „O
Gesandter Allahs, gilt dies auch für mich?“ Der Prophet antwortete:
„Für diejenigen aus meiner Ummah, die dies tun.“
[Sahih Muslim Nr. 4963
>>>>>
Anas Ibn Malik,
Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Ein Mann kam zum Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, und
sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe eine Straftat begangen, so
vollziehe die Strafe über mich!“ Und als die Gebetszeit fällig
wurde, betete der Mann mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und
Heil auf ihm. Als der Prophet das Gebet beendet hatte, sagte der
Mann wieder zu ihm: „O Gesandter Allahs, ich habe eine Straftat
begangen, so vollziehe die Bestimmung des Buches Allahs über mich!“
Der Prophet sagte: „Hast du nicht mit uns gebetet?“ Der Mann sagte:
„Doch!“ Der Prophet sagte: „Allah hat dir doch deine Sünde bereits
vergeben.“
[Sahih Muslim Nr. 4965
>>>>>
Abu Sa`id
Al-Khudry, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Prophet Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Von den
Menschen, die vor euch gelebt haben, war einmal ein Mann, der 99
Menschen getötet hatte. Dieser fragte nach dem gelehrtesten
Menschen, den es auf der Welt gebe. Man nannte ihm einen Mönch, und
er ging zu ihm und sagte: „Ich habe neunundneunzig Menschen getötet.
Gibt es irgendeine Art von Buße für mich?“ Er antwortete: „Nein!“
Daraufhin tötete er auch den Einsiedler und vervollständigte damit
die Zahl seiner Opfer auf hundert. Der Mörder fragte nun erneut:
„Wer ist der gelehrteste Mensch auf der Welt?“ Man verwies ihn an
einen gelehrten Menschen. Er ging also zu ihm und sagte: „Ich habe
einhundert Menschen getötet. Gibt es irgendeine Art von Buße für
mich?“ Der gelehrte Mann sagte: „Ja!“ Nichts kann zwischen dir und
deiner Reue stehen: Begib dich zu dem und dem Land. In diesem Land
gibt es (fromme) Leute, die Allah, den Erhabenen anbeten.
Schließ dich ihnen an, diene Allah und kehre nicht in dein
Heimatland zurück, denn es ist eine schlimme Gegend.“ Der Mann brach
zu diesem Land auf. Er hatte gerade die Hälfte des Weges hinter sich
gebracht, als er starb. Nun entstand ein Streit zwischen dem
Gnadenengel und dem Plagenengel darüber, wer die Verwahrung seiner
Seele übernehmen sollte. Der Gnadenengel sprach: „Er hat sich
reumütig Allah zugewendet.“ Der Plagenengel entgegnete: „Er hat
niemals etwas Gutes getan.“ Da kam ein Engel in Menschengestalt, und
sie setzten ihn als Schiedsrichter zwischen ihnen ein. Er wies sie
an, die Entfernung zwischen den zwei Ländern auszumessen. Welchem
Land er näher sei, zu dem solle er gehören. Sie führten also die
Messung durch, und fanden, dass er dem Land, zu dem er gehen wollte,
näher sei. Also übernahmen ihn die Gnadenengel.“
[Sahih Muslim Nr. 4967
>>>>>
`A´ischa, Gattin
des Propheten, Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtete:
Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sich auf
eine Reise vorbereitete, ließ er immer das Los zwischen seinen
Frauen entscheiden, und die Frau, die das Los ermittelte, nahm der
Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, mit auf die Reise.
`A´ischa berichtete weiter: Eines Tages loste er wieder
zwischen uns, da er einen Feldzug unternehmen wollte, und das Los
fiel auf mich. Kurz darauf brachen wir auf, und ich war mit dem
Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm. Der Vers über den
Schleier war damals bereits offenbart worden. Ich wurde in einer
Kamelsänfte befördert, und wenn wir Halt machten, wurde ich in
dieser Sänfte vom Kamel herab gehoben. Als der Gesandte Allahs,
Allahs Segen und Heil auf ihm, den Feldzug beendet hatte, machten
wir uns auf den Heimweg. Wir waren nicht mehr weit von Madina
entfernt, da befahl er, dass bei Nacht geritten werden sollte. Der
Befehl zum Aufbruch wurde gegeben, und ich entfernte mich vom Lager,
um meine Notdurft zu verrichten. Ich war schon fast wieder zurück,
da bemerkte ich, dass meine Halskette aus jemenitischem Achat
aufgegangen war und ich sie verloren hatte. Ich ging zurück, um sie
zu suchen. Aus diesem Grund wurde ich damals aufgehalten. Die Leute,
die mein Kamel für die Abreise fertig machten, begaben sich
währenddessen zu meiner Sänfte und befestigten sie auf dem Kamel.
Sie waren der Meinung, ich würde in der Sänfte sitzen. Damals waren
die Frauen im Allgemeinen noch sehr schlank, nicht so schwer und
füllig (wie heute), da sie nur wenig essen! Daher bemerkten
sie nicht an dem Gewicht der Sänfte, als sie diese hochhoben, dass
ich nicht darin saß. Auch war ich damals noch eine sehr junge Frau!
Das Kamel wurde angetrieben, und die Leute reisten ab. Als ich meine
Halskette fand, hatte die Karawane sich bereits entfernt. Ich kam
zum Lagerplatz zurück, und niemand war mehr da. Ich begab mich zum
Ort, wo meine Sänfte war und setzte mich dorthin und dachte, sie
würden meine Abwesenheit bald bemerken und umkehren. Während ich so
da saß und wartete, fielen mir die Augen zu, und ich schlief ein.
Safwaan Ibn Al- Mu`attal As-Sulamy Az-Zakwany war hinter der
Karawane zurückgeblieben, um ein bisschen zu schlafen. Am Morgen
erreichte er den Lagerplatz, wo ich zurückgeblieben war. Er sah,
dass dort eine Schwarzgekleidete Person lag, und kam heran. Vor der
Offenbarung des Verses über den Schleier hatte er mich oft gesehen,
deshalb konnte er mich leicht erkennen. Ich erwachte, als er rief:
„Wir leben für Allah und zu Ihm werden wir zurückkehren!“ Sofort
verdeckte ich mein Gesicht mit meinem Obergewand. Bei Allah, er
sprach nichts anders außer der Formel: „Wir leben für Allah und zu
Ihm werden wir zurückkehren!“ Er saß ab und hielt sein Kamel fest,
dass ich aufsteigen konnte. Darauf schritt er los und führte das
Kamel am Zügel. Wir erreichten die Karawane des Propheten, als sie
zur Zeit der größten Mittagshitze Rast gemacht hatte. Einige von den
Leuten spekulierten über die Gründe meines Zurückbleibens und
äußerten verleumderische Beschuldigungen. Besonders `Abdullah Ibn
Ubayy Ibn Salul tat sich durch sein verlogenes Gerede hervor. Wenig
später kamen wir nach Madina zurück. Ich erkrankte und hütete einen
Monat lang das Bett. In dieser Zeit fanden jene verleumderischen
Beschuldigungen eine weite Verbreitung, trotzdem hatte ich davon
keine Ahnung. Ich hatte aber während meiner Krankheit das Gefühl,
dass mir seitens des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf
ihm, nicht dieselbe Liebenswürdigkeit entgegengebracht wurde wie
sonst, wenn ich krank war. Er (der Gesandte Allahs, Allahs Segen
und Heil auf ihm) besuchte mich, sprach den Gruß und erkundigte
sich nach meinem Befinden, indem er sagte: „Wie geht es dir?“ Und
das beunruhigte mich. Ich wusste nichts von all den schrecklichen
Gerüchten, bis es mir wieder besser ging und ich mit Umm Mistah zu
Al-Manase` ging, um dort die Notdurft zu verrichten. Wir machten das
immer bei Nacht. Damals gab es noch keine Toiletten in der Nähe von
unseren Häusern, und wir folgten dem Brauch der alten Araber, das
heißt, wir entfernten uns aus dem bebauten und kultivierten Gebiet,
um unsere Notdurft zu verrichten. Die Araber verabscheuten damals
Toiletten in ihren Häusern zu haben. Umm Mistah war die Tochter von
Abu Ruhm Ibnal Mottalib Ibn `Abd Manaf. Ihre Mutter war die Tochter
von Sakhr Ibn `Amer und die Tante von Abu Bakr As-Siddiq
mütterlicherseits. Ihr Sohn war Mistah Ibn Uthatha Ibn `Abbad Ibnal
Mottalib. Ich schritt mit der Tochter von Abu Ruhm dahin. Als wir
fertig waren, und den Rückweg antraten, stolperte Umm Mistah über
ihr Kleid und rief erzürnt aus: „Mistah möge zugrunde gehen!“ Ich
sagte: „Das ist aber nicht recht, was du da sagst! Beschimpfst du
einen Mann, der an der Schlacht von Badr teilgenommen hat?“ Sie
sagte: „Ach, weißt du denn nicht, was er sagt?“ Und sie erzählte mir
von den verleumderischen Beschuldigungen, die gegen mich erhoben
wurden. Ich erkrankte erneut. Nachdem ich nach Hause zurückgekehrt
war, trat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, bei
mir ein. Er grüßte mich und sagte: „Wie geht es dir?“ Ich sagte zu
ihm: „Erlaub mir, dass ich zu meinen Eltern gehe!“ Ich wollte mir
bei ihnen über jene Gerüchte Gewissheit verschaffen. Der Gesandte
Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, gab mir seine Erlaubnis. Ich
ging zu meinen Eltern und fragte meine Mutter: „Was ist es, worüber
die Menschen reden?“ Sie erwiderte: „Ach, liebe Tochter, mach dir
darüber keine Sorgen! Bei Allah, es ist wohl noch nie vorgekommen,
dass eine attraktive Frau, die von ihrem Mann geliebt wird, nicht
von dessen Nebenfrauen mit Missgunst und Eifersucht überschüttet
wird!“ Ich rief: „Gepriesen sei Allah! Und die Leute sprechen nur
darüber!“ In der folgenden Nacht aber musste ich immerzu weinen und
konnte keinen Schlaf finden. Als der Morgen anbrach, musste ich
immer noch weinen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf
ihm, rief `Ali Ibn Abu Talib und Usama Ibn Zaid zu sich. Er wollte
sie um ihre Meinung fragen, ob er sich von seiner Frau scheiden
solle oder nicht, da zu dieser Frage noch keine Offenbarung erfolgt
war. Usama wies den Gesandten, Allahs Segen und Heil auf ihm, darauf
hin, dass er doch große Zuneigung gegenüber der Familie des
Propheten empfinde, äußerte seine Meinung über ihre Unschuldigkeit,
und sagte: „O Gesandter Allahs, sie ist deine Frau, und wir wissen
nur Gutes über sie!“ `Ali Ibn Abu Talib sagte: „O Gesandter Allahs!
Allah hat dir freie Hand gegeben, und es gibt viele andere Frauen.
Aber frag doch ihre Dienerin. Sie wird dir die Wahrheit sagen.“ Der
Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, schickte nach
Barira, ihre Dienerin, und sagte zu ihr: „O Barira, hast du
irgendetwas an `A´ischa bemerkt, was dir verdächtig vorkam?“ Sie
erwiderte: „Nein, bei Dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat.
Nie habe ich etwas beobachtet, was ich ihr vorwerfen könnte. Ich
könnte höchstens sagen, dass sie noch sehr jung ist und manchmal den
Teig stehen lässt und schläft - und dann kommt die Ziege und frisst
ihn auf.“ Am selben Tag bestieg der Gesandte Allahs, Allahs Segen
und Heil auf ihm, die Kanzel und fragte die Versammelten, ob jemand
ihm beistehen würde, wenn er `Abdullah Ibn Ubayy Ibn Salul bestrafen
wolle. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte,
als er auf der Kanzel stand: „O ihr Muslime, wer steht mir bei, wenn
ich einen Mann bestrafe, der schwere Verdächtigungen gegen meine
Familie äußerte? Bei Allah, ich weiß nur Gutes über meine Frau. Und
dabei wird ein Mann beschuldigt, über den ich nur Gutes sagen kann.
Niemals hat er mein Haus betreten, ohne dass ich dabei war.“ Sa`d
Ibn Mu`az Al-Ansary erhob sich und sagte: „O Gesandter Allahs, bei
Allah, ich stehe dir bei. Wenn dieser `Abdullah aus dem Stamm Aus
ist, werden wir ihm den Kopf abschlagen. Wenn er aber zu unseren
Brüdern, die aus dem Stamm Khazrağ, gehört, dann sag uns, was wir
tun sollen, und wir werden deinem Befehl nachkommen.“ Da sprang Sa`d
Ibn `Ubada, das Oberhaupt des Stammes Khazrağ, auf. Er war ein
rechtschaffener Mann, in diesem Moment aber hatte ihn die Wut
gepackt, und er schrie Sa`d Ibn Mu`az an: „Du lügst, bei Allah, Dem
Ewigen. Du wirst ihn nicht töten. Das wird dir nicht gelingen.“ Da
sprang auch Usaid Ibn Hudair, Vetter von Sa`d Ibn Mu`az auf und
rief: „Bei Allah, du bist ein Lügner. Bei Allah, Dem Ewigen, wir
werden ihn unbedingt töten. Du bist ein Heuchler, der die Heuchler
verteidigt.“ Da gerieten die Aus und Khazrağ dermaßen in Zorn, dass
sie dabei waren, miteinander zu kämpfen. Der Gesandte Allahs, Allahs
Segen und Heil auf ihm, stand währenddessen auf der Kanzel. Er
redete noch immer auf die beiden Parteien ein, bis sie sich
schließlich wieder beruhigten. Und er redete mit ihnen nicht mehr
davon. Ich weinte den ganzen Tag lang. Meine Tränen liefen
ununterbrochen, und in der folgenden Nacht konnte ich wieder keinen
Schlaf finden. Meine Eltern glaubten schon, es würde mir das Herz
zerreißen. Während meine Eltern bei mir saßen und ich weinte, bat
eine Frau von den Ansar um Einlass. Ich ließ sie eintreten. Sie
setzte sich und weinte mit mir. So waren die Verhältnisse, als der
Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, eintrat und sich
niederließ. Seit dem Tag, da die Vorwürfe gegen mich zum ersten Mal
erhoben worden waren, hatte er sich nicht mehr zu mir gesetzt. Ein
ganzer Monat war vergangen, in dem er keine Offenbarungen gehabt
hatte, die ihm Klarheit über diese Angelegenheit hätten geben
können. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sprach
das Glaubensbekenntnis und sagte dann zu mir: „O `A´ischa, man hat
mir dieses und jenes über dich erzählt. Wenn du unschuldig bist,
wird Allah dich von aller Schuld freisprechen. Wenn du dich aber
schuldig gemacht hast, so bitte Allah um Verzeihung und wende dich
ihm in Reue zu. Denn wenn ein Diener Allahs sich zu seinen
Verfehlungen bekennt und sie bereut, wird Allah sich ihm wieder
zuwenden.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf
ihm, dies gesagt hatte, hörten meine Augen auf zu tränen. Ich fühlte
keine einzige Träne mehr. Ich sagte zu meinem Vater: „Antworte dem
Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, an meiner Stelle.“
Er aber entgegnete: „Bei Allah, ich weiß nicht, was ich zum
Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagen könnte.“
Darauf wandte ich mich mit derselben Bitte an meine Mutter, aber sie
sagte auch: „Bei Allah, ich weiß nicht, was ich zum Gesandten
Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagen könnte.“ Ich war damals
eine sehr junge Frau und kannte den Quran noch nicht sehr gut. Ich
sagte: „Bei Allah, ich weiß, dass ihr auf das verleumderische Gerede
der Leute hört. Es hat sich in euren Köpfen festgesetzt, und ihr
glaubt daran. Und wenn ich beteure, dass ich unschuldig bin, und
Allah weiß, dass ich unschuldig bin, schenkt ihr mir keinen Glauben.
Wenn ich aber eine Schuld eingestehen würde, während Allah doch
weiß, dass ich unschuldig bin, dann würdet ihr mir glauben. Bei
Allah, ich kann meine Lage nur mit der von Josefs (Yusuf)
Vater vergleichen, als er sagte: „(Ich muss Geduld haben und
Allah um Hilfe anrufen gegen das, was ihr behauptet.)““ Nach
diesen Worten wandte ich mich von ihnen ab und legte mich ins Bett.
Damals hoffte ich, Allah werde meine Unschuld bestätigen. Bei Allah,
ich dachte nicht im Entferntesten daran, dass wegen mir eine
Offenbarung erfolgen würde. Ich bin doch viel zu unwichtig, als dass
wegen mir etwas im Quran gesagt würde. Aber ich hoffte, dass der
Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, im Schlaf einen
Traum haben werde, in dem Allah meine Unschuld bestätigen würde.
Doch, bei Allah, noch saß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil
auf ihm, bei uns, und niemand hatte sich entfernt, da kam eine
Offenbarung von Allah, dem Allmächtigen und Erhabenen über Seinen
Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie ergriff ihn mit
solcher Stärke, die ihm in solchen Fällen befällt, dass ihm der
Schweiß von seiner Stirn an einem streng kalten Tag wie die Perlen
herabtropfte. Das war wegen der Bedeutung der Offenbarung. Als die
Offenbarung vorüber war, lächelte der Gesandte Allahs, Allahs Segen
und Heil auf ihm. Und als erstes sagte er anschließend zu mir: „O
`A´ischa, erfreue dich an der frohen Botschaft! Allah hat deine
Unschuld bestätigt.“ Meine Mutter sagte: „`A'ischa, steh auf und
danke dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm!“ Ich
entgegnete: „Nein, bei Allah. Das werde ich nicht tun. Allein Allah
werde ich preisen, der meine Unschuld durch eine Offenbarung
bestätigt hat.“ Allah, Der Allmächtige und Erhabene, hatte folgende
zehn Verse offenbart: »Diejenigen, die die
ungeheuerliche Lüge vorgebracht haben, sind eine (gewisse) Schar von
euch. Meint nicht, es sei schlecht für euch; nein! Vielmehr ist es
gut für euch. Jedermann von ihnen wird zuteil, was er an Sünde
erworben hat. Und für denjenigen unter ihnen, der den Hauptanteil
daran auf sich genommen hat, wird es gewaltige Strafe geben. …«
»Hätten doch, als ihr es hörtet, die
gläubigen Männer und Frauen eine gute Meinung voneinander gehabt und
gesagt: „Das ist deutlich eine ungeheuerliche Lüge!"« »Hätten
sie doch darüber vier Zeugen beigebracht! Da sie aber die Zeugen
nicht beigebracht haben, so sind diese bei Allah die Lügner.«
»Und ohne Allahs Huld gegen euch und Seine
Barmherzigkeit im Diesseits und Jenseits würde euch für das, worin
ihr euch (ausgiebig) ausgelassen habt, gewaltige Strafe widerfahren,«
»als ihr es mit euren Zungen aufgegriffen
und mit euren Mündern das gesagt habt, wovon ihr kein Wissen hattet,
und es für eine leichte Sache gehalten habt, während es bei Allah
eine ungeheuerliche Sache ist.« »Und
hättet ihr doch, als ihr es hörtet, gesagt: „Es steht uns nicht zu,
darüber zu sprechen. Preis sei Dir! Das ist eine gewaltige
Verleumdung"!« »Allah ermahnt
euch, niemals wieder dergleichen zu tun, wenn ihr gläubig seid.«
»Und Allah macht euch die Zeichen klar, und
Allah ist Allwissend und Allweise.« »Diejenigen,
die es lieben, dass sich das Abscheuliche unter denjenigen, die
glauben, verbreitet, für sie wird es schmerzhafte Strafe geben im
Diesseits und Jenseits. Allah weiß, ihr aber wisst nicht.«
»Und ohne die Huld Allahs gegen euch und
Seine Barmherzigkeit, und dass Allah nicht Gnädig und Barmherzig wäre
...« Nachdem Allah, Der Allmächtige und Erhabene, mit
diesen zehn Versen meine Unschuld bewiesen hatte, sagte Abu Bakr
As-Siddiq, Allahs Wohlgefallen auf ihm, der für Mistah Ibn Uthatha,
einem der Verleumder, seinen Lebensunterhalt sorgte, da er mit ihm
verwandt war. Daraufhin war er arm: „Bei Allah, nie wieder werde ich
Mistah etwas geben, nachdem er `A´ischa das angetan hat.“ Darauf
offenbarte Allah, Der Allmächtige und Erhabene: »Und
es sollen diejenigen von euch, die Überfluss und Wohlstand besitzen,
nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen und denjenigen,
die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie
sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es (selbst) nicht,
dass Allah euch vergibt? Allah ist Allvergebend und Barmherzig.«
Hebban Ibn Musa sagte, `Abdullah Ibnal Mubarak sagte: „Das ist der
am meisten Hoffnung gebende Vers im Buch Allahs.“ Als Abu Bakr von
dieser Offenbarung hörte, sagte er: „Ja, bei Allah, ich will, dass
Allah mir verzeiht.“ Und er unterstützte Mistah weiterhin und sagte:
„Ich werde nie aufhören, ihn Almosen zu geben.“ `A´ischa
berichtete weiter: Bevor die Offenbarung meiner Unschuld erfolgt
war, hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, auch
Zainab Bint Gahsch, die Frau des Propheten, Allahs Segen und Heil
auf ihm, über mich befragt. Sie antwortete damals: „O Gesandter
Allahs, ich habe meine Ohren und Augen stets offen gehalten. Aber,
bei Allah, ich weiß nur Gutes über `A´ischa.“ Zainab war es von den
Frauen des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, die mit mir um
die Gunst des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, wetteiferte.
Aber sie war eine rechtschaffene und gottesfürchtige Frau. Doch ihre
Schwester Hamna Bint Gahsch ergriff für sie, deshalb brachte sie
diese große Lüge auf.
[Sahih Muslim Nr. 4974
>>>>>
|