12. Sura
Yusuf1
(111
Ayat)
Bismil-lahir-rahmanir-rahim
(1)
Alif-lam-raa2.
Diese sind die Ayat der deutlichen Schrift.
(2) Gewiss, WIR
sandten sie als einen
arabischen Quran hinab, damit ihr euch besinnt.
(3)
WIR berichten dir von den schöneren Begebenheiten, indem WIR dir
diesen
Quran durch Wahy zuteil werden ließen. Und sicherlich warst du
vor ihm einer
der Achtlosen!
(4)
(Erinnere daran) als Yusuf seinem Vater sagte: „Mein Vater!
Gewiss, ich hatte
ein Traumgesicht mit elf Planeten, der Sonne und dem Mond – ich
sah sie alle -
sie vollzogen vor mir Sudschud.“
(5) Er sagte: „Mein Söhnchen!
Berichte deinen
Brüdern nicht über dein Traumgesicht, sonst werden sie gegen
dich böse Intrigen
schmieden. Gewiss, der Satan ist sicherlich dem Menschen
gegenüber ein erklärter
Feind.
(6) Und solcherart erwählt dich dein HERR, lehrt dir von
der Traumdeutung und
vervollständigt dir und der Familie von Ya'qub Seine Gaben, wie
ER sie deinen beiden
Großvätern Ibrahim und Ishaq vorher vervollständigte. Gewiss,
dein HERR ist
allwissend, allweise.“
(7) Gewiss, bereits in (der Begebenheit von) Yusuf und seinen
Brüdern waren Ayat
für die Fragenden.
(8) Als sie sagten: „Zweifelsohne, Yusuf und
sein Bruder sind
unserem Vater lieber als wir, obgleich wir eine (größere) Gruppe
sind. Gewiss,
unser Vater ist doch eindeutig irriger Ansicht.
(9) Tötet Yusuf
oder setzt ihn in
irgendeinem fernen Land aus, so wird euch die Zuneigung eures
Vaters sicher sein
und ihr werdet nach ihm (Yusuf) gottgefällig guttuende Leute
sein.“
(10) Alsdann
sagte einer von ihnen: „Tötet Yusuf nicht, sondern werft ihn in
die Tiefe des Brunnens hinein, so finden ihn einige Reisende,
solltet ihr dies tun wollen.“
(11)
Sie (gingen zum Vater und) sagten: „Unser Vater! Weshalb bringst
du uns kein
Vertrauen entgegen, was Yusuf angeht? Gewiss, wir wollen ihm
doch nur Gutes.
(12) Lass ihn morgen mit uns gehen, (die Herde) hüten und sich
vergnügen! Gewiss, wir werden auf ihn doch achten.“
(13) Er
sagte: „Es betrübt mich doch, dass ihr mit
ihm weggeht, und ich fürchte, dass ihn der Wolf frisst, während
ihr ihm gegenüber
achtlos seid.“
(14) Sie sagten: „Sollte der Wolf ihn fressen,
obwohl wir eine
(starke) Gruppe sind, gewiss würden wir doch zu den Unterlegenen
gehören.“
(15)
Alsdann nahmen sie ihn mit und entschlossen sich, ihn in der
Tiefe des Brunnens
zu lassen. Dann ließen WIR ihm Wahy zuteil werden: ‚Du wirst
ihnen über diese
ihre Angelegenheit doch noch kundtun.‘ Und sie merkten es nicht.
1
Yusuf ist der Eigenname der 12. Sura. Yusuf ist zudem ein
männlicher Name. Yusuf ('alaihis-salam) war ein
Gesandter ALLAHs, nach dem diese Sura benannt wurde.
2
Alif-lam-raa sind die Namen der drei Buchstaben a, l, r, (siehe
dazu Fußnote 2 S. 26).
(16) Und sie kamen dann zu ihrem Vater abends weinend,
(17) sie
sagten: „Unser
Vater! Wir gingen Wettrennen machen und ließen Yusuf bei unseren
Sachen
zurück, dann hat ihn der Wolf gefressen. Und du wirst uns
sowieso keinen
Glauben schenken, egal wie wahrhaftig wir sind.“
(18) Und sie
brachten sein Hemd
befleckt mit Blut als Vortäuschung. Er sagte: „Nein, sondern
euer Ego machte
euch etwas leicht! (Ich übe mich) in klagloser Geduld. Und ALLAH
ist Derjenige,
Den ich um Beistand bitte wegen dem, was ihr schildert.“
(19) Dann kamen Reisende vorbei, sie schickten ihren Mann zum
Wasserholen; dann ließ er seinen Wassereimer herunter, er sagte:
„Was für ein Glück! Dies ist
ein Junge.“ Dann versteckten sie ihn als Handelsware. Und ALLAH
ist allwissend
über das, was sie tun.
(20) Dann verkauften sie ihn gegen ein
geringes Entgelt - wenige Silberstücke. Und sie hatten kein
Interesse an ihm.
(21) Und
derjenige, der ihn aus Ägypten kaufte, sagte seiner Gattin:
„Pflege mit ihm einen
gütigen Umgang! Vielleicht wird er uns von Nutzen sein oder wir
nehmen ihn als Kind
an.“ Und solcherart festigten WIR (die Stellung von) Yusuf im
Lande, und um ihn von der Traumdeutung zu lehren. Und ALLAH
erfüllt zweifelsohne
Seine Bestimmung. Doch die meisten Menschen wissen es nicht.
(22) Und als er
das Mannesalter erreichte, ließen WIR ihm Urteilsvermögen und
Wissen zuteil werden. Und
solcherart vergelten WIR den Muhsin.
(23) Diejenige, in deren Haus er war, suchte ihn dann gegen
seine Neigung zu verführen. Sie verschloß die Türen und sagte:
„Du, komm doch!“ Er sagte: „Nein,
ALLAH schütze mich davor! Doch, mein Gebieter pflegte mit mir
gütigen Umgang1.
Gewiss, die Unrecht-Begehenden werden niemals erfolgreich sein.“
(24) Und
gewiss, bereits war sie im Begriffes mit ihm zu tun; auch er
wäre im Begriffes mit
ihr zu tun, hätte er das Zeichen seines HERRN nicht
wahrgenommen. Solcherart
damit WIR von ihm das Verwerfliche und die Unzucht fernhalten.
Zweifelsohne,
er gehört zu Unseren auserwählten Dienern. (25) Beide rannten
dann zur Tür und sie zerriss
sein Hemd von hinten, dann stießen beide auf ihren Ehemann an
der Tür. Sie sagte: „Was wäre
die Bestrafung für denjenigen, der Verwerfliches deiner Ehefrau antun wollte, außer
dass er ins Gefängnis geht oder qualvoller Peinigung unterzogen wird?!“
(26) Er sagte: „Sie suchte mich gegen meine
Neigung zu verführen.“ Ein
Zeuge von ihrer Familie bezeugte dann: ‚Wenn sein Hemd von
vorne zerrissen
wurde, so sagte sie die Wahrheit und er gehört zu den Lügnern.
(27) Doch sollte sein Hemd von hinten zerrissen sein, so log sie
und er gehört zu den
Wahrhaftigen.‘
(28) Als er dann sah, dass sein Hemd von hinten
zerrissen wurde,
sagte er: „Gewiss, dies ist von eurer List. Gewiss, eure List
ist gewaltig.
(29) Yusuf,
verschweige dies! Und du (Ehefrau), bitte um Vergebung für deine
Sünde. Gewiss, du warst eine der bewusst Verfehlenden.“
1Es
kann auch heißen: „Doch, mein HERR ließ mit mir gütigen Umgang
pflegen“.
(30)
Und manche Frauen in der Stadt sagten: „Die Ehefrau von Al-'aziz1
suchte ihren Diener gegen seine Neigung zu verführen, er ließ
sie unbändig flammende Liebe für
ihn empfinden. Gewiss, wir sehen sie sicherlich im offenkundigen
Irrtum.“
(31)
Als sie dann von ihrem arglistigen Gerede hörte, schickte sie
nach ihnen und bereitete für sie ein Bankett; dann gab sie jeder Einzelnen von
ihnen ein Messer und sagte (zu Yusuf): „Gehe zu ihnen (hinein)!“ Und als sie ihn
sahen, bewunderten sie ihn sehr, schnitten sich die Hände und
sagten: „Makelloser ALLAH! Dies ist sicherlich kein Mensch. Nein! Er ist bestimmt nur ein
ehrwürdiger Engel.“(32)
Sie sagte: „Ihr (Frauen), dies ist derjenige, dessentwegen ihr
mir Vorwürfe gemacht habt. Und gewiss, bereits suchte ich ihn gegen seine
Neigung zu verführen, jedoch weigerte er sich. Doch sollte er nicht das
tun, was ich von ihm verlange, wird er unweigerlich ins Gefängnis geschickt und
gewiss zu den Verachteten gehören.“
(33) Er sagte: „HERR! Das Gefängnis ist
mir lieber als das, wozu sie mich auffordern. Und wenn DU ihre
List von mir nicht abwendest, neige ich sonst zu ihnen und gehöre dann zu den Unfug-Treibenden.“
(34)
Dann erhörte sein HERR seine Bittgebete und wandte ihre List von ihm ab.
Gewiss, ER ist Der Allhörende, Der Allwissende.
(35) Danach ging
es ihnen auf, nachdem sie die Ayat gesehen hatten, dass sie ihn doch für eine Weile ins Gefängnis
schicken.
(36) Und mit ihm kamen ins Gefängnis zwei Diener. Einer von
ihnen sagte: „Ich hatte ein Traumgesicht, in dem ich Weintrauben
gepresst habe.“ Und der andere sagte: ”Ich hatte ein Traumgesicht, in dem ich auf meinem Kopf
Brot getragen habe, von dem die Vögel gefressen haben.“ (Beide
sagten): „Teile uns deren Deutung mit! Gewiss, wir sehen dich als einen der Muhsin.“
(37)
Er sagte: „Es wird euch keine Speise als Rizq gewährt, ohne dass ich euch deren
Deutung mitteile, bevor sie euch zuteil wird. Dies ist ein Teil dessen, was mich
mein HERR lehrte. Gewiss, ich verließ die Gemeinschaft von Leuten, die den Iman an
ALLAH nicht verinnerlichen, und die dem Jenseits gegenüber Kufr betreiben,
(38) und folgte der Gemeinschaft meiner Väter Ibrahim, Ishaq und Ya'qub. Es ziemt
sich für uns nicht, dass wir
ALLAH gegenüber irgend etwas an Schirk betreiben. Dies ist ein
Teil von ALLAHs Gunst
uns und den Menschen gegenüber. Doch die meisten Menschen
erweisen sich undankbar.
(39) Meine Mitgefangenen! Sind etwa differierende
Herren besser oder ALLAH, Der Einzige, Der Allbezwingende?!
(40)
Ihr dient anstelle von Ihm eigentlich nichts außer Namen, die
ihr und eure Ahnen nannten, wozu ALLAH niemals eine Bestätigung hinabsandte. Die
Entscheidung liegt doch nur bei
ALLAH. ER hat
geboten, dass ihr nichts außer Ihm dient. Dies ist der geradlinige Din; doch die meisten Menschen wissen es
nicht.
(41) Meine Mitgefangenen! Hinsichtlich des einen von euch, so wird er
seinem Gebieter Wein servieren. Doch hinsichtlich des anderen, so wird er gekreuzigt,
dann werden die
Vögel von seinem Kopf fressen. Die Angelegenheit, worauf ihr um
Antwort bittet, ist bereits bestimmt worden.“
1
Al-'aziz: der Einflussreiche, der König.
(42) Demjenigen
von beiden, von dem er dachte, dass
er doch gerettet wird, sagte er dann: „Erwähne mich vor deinem
Gebieter!“ Doch
der Satan hat ihn die Erwähnung vor seinem Gebieter vergessen
lassen. So blieb er
im Gefängnis noch ein paar Jahre.
(43) Der König sagte: „Ich hatte ein Traumgesicht, in dem sieben
fette Kühe von
sieben mageren Kühen gefressen werden und sieben grüne Ähren und
(sieben) andere Vertrocknete waren. Ihr Entscheidungsträger!
Gebt mir eine Antwort auf
mein Traumgesicht, wenn ihr das Traumgesicht interpretieren
könnt!“
(44) Sie
sagten: „Das ist ein Durcheinander von Träumen und wir haben
doch keinerlei
Kenntnisse über Traumdeutung.“
(45) Und derjenige von den
Beiden, der gerettet
war und sich nach langer Zeit erinnerte, sagte: „Ich kann euch
seine Deutung mitteilen,
so schickt mich nur!“
(46) „Yusuf, du Wahrhaftiger! Gib uns eine
Antwort
über sieben fette Kühe, die von sieben mageren Kühen gefressen
werden, und über sieben grüne Ähren und (sieben) andere
Vertrocknete, vielleicht kehre ich zu den
Menschen zurück, vielleicht wissen sie es dann.“
(47) Er sagte:
„Ihr werdet den
Acker wie gewohnt bestellen. Was ihr dann erntet, so belasst es
in seinen Ähren, außer ein wenig von dem, was ihr speist.
(48)
Dann kommen danach sieben dürre Jahre,
welche (euch) das, was ihr für sie vorbereitet habt, verbrauchen
lassen, außer ein wenig von
dem, was ihr aufbewahrt habt.
(49) Dann kommt danach ein
Jahr, in dem den Menschen (mit Regen) geholfen wird und in dem
sie keltern.
(50)
Der König sagte: „Bringt ihn mir!“ Als der Entsandte dann zu ihm
kam, sagte er: „Kehre
zurück zu deinem Gebieter und frage ihn, was mit den Frauen war,
die sich die Hände
geschnitten hatten? Gewiss, mein HERR ist über ihre List allwissend.“
(51) Er sagte: „Was war euer Bestreben, als ihr Yusuf gegen
seine
Neigung zu verführen suchtet?“ Sie sagten: „Makelloser ALLAH!
Wir kannten
von ihm nichts Verwerfliches.“ Die Frau von Al-'aziz sagte: „Nun
ist die Wahrheit erkennbar.
Ich suchte ihn gegen seine Neigung zu verführen und gewiss, er
ist doch von den Wahrhaftigen!
(52) Dies damit er weiß, dass ich ihn in Abwesenheit
doch nicht verraten habe, und dass ALLAH die List der Verräter
doch nicht gelten
lässt.
(53) Und ich spreche meinem Ego keine Unschuld ab,
gewiss, das Ego gebietet
doch Verwerfliches außer denjenigen, denen ALLAH Gnade erwies.
Gewiss, mein
HERR ist allvergebend, allgnädig.“
(54) Und der König sagte:
„Bringt ihn mir! Ich
möchte ihn in meinen persönlichen Dienst stellen.“ Und als er
mit ihm sprach, sagte er:
„Gewiss, du genießt heute bei uns eine besondere Stellung und
Vertrauen.“
(55) Er sagte: „Setze mich für die Schatzkammer des Landes ein.
Gewiss,
ich bin achtgebend, wissend.“ (56) Und solcherart festigten WIR
(die Stellung von)
Yusuf im Lande, dort hält er sich auf, wo er will. WIR lassen
Unsere Gnade zuteil
werden, wem WIR wollen. Und WIR lassen die Belohnung der Muhsin
nicht verloren gehen.
(57) Gewiss, die Belohnung des Jenseits
ist besser für diejenigen,
die den Iman verinnerlichten und Taqwa gemäß zu handeln
pflegten.
(58) Dann kamen die Brüder von Yusuf und traten zu ihm ein. Er
erkannte sie, während sie jedoch ihn nicht erkannten.
(59) Und nachdem er
ihnen ihre Bedarfsgüter
zur Verfügung stellte, sagte er: „Bringt mir euren Halbbruder
väterlicherseits!
Seht ihr nicht, dass ich doch vollständige Zumessung erteile,
und dass ich der beste Gastgeber bin?
(60) Und solltet ihr ihn mir nicht bringen,
so erhaltet ihr bei mir keine
Zumessung (mehr) und kommt nicht in meine Nähe!“
(61) Sie
sagten: „Wir werden seinen
Vater trotz seiner Zuneigung ihm gegenüber zu überreden suchen. Gewiss, wir werden es
doch tun.“
(62) Und er sagte seinen Dienern: „Packt ihre Tauschware in ihre Satteltaschen, damit sie diese erkennen,
wenn sie zu ihren Familien zurückkehren, damit sie zurückkommen.“
(63)
Und nachdem sie zu ihrem Vater zurückgekehrt waren, sagten sie:
„Unser Vater! Die weitere Zumessung wurde uns verweigert, so schicke
mit uns unseren Bruder, damit wir Zumessung erhalten. Gewiss, wir werden auf ihn
doch achten.“
(64)
Er sagte: „Kann ich ihn euch etwa anders anvertrauen, als ich
euch seinen Bruder vorher anvertraut habe? Doch ALLAH ist Der beste
Beschützer und ER ist Der Allgnädigste der Gnade-Erweisenden.“
(65) Und als sie ihre
Satteltaschen öffneten, stellten sie fest, dass ihre Tauschware ihnen
zurückgegeben wurde. Sie sagten:
„Unser Vater! Was wollen wir noch? Dies ist unsere Tauschware,
sie wurde uns zurückgegeben. Damit können wir dann unsere Familien
versorgen, auf unseren Bruder achten und eine zusätzliche
Ladung eines Lasttieres erhalten.
Dieses ist eine leicht zu
erhaltende Zumessung.“
(66) Er sagte: ”Ich werde ihn mit euch nicht schicken, bis ihr mir ein Versprechen vor ALLAH gebt,
dass ihr ihn mir zurückbringt, es sei denn, ihr geht selbst zugrunde.“ Und
nachdem sie ihm ihr Versprechen gaben, sagte er: „ALLAH ist Wakil über das, was wir
sagen.“
(67) Und er
sagte: „Meine Söhne! Tretet nicht durch ein einziges Tor ein,
sondern tretet durch verschiedene Tore ein! Ich kann euch von ALLAH nichts
abwenden. Die
Bestimmung obliegt nur ALLAH. Ihm gegenüber übe ich Tawakkul und
Ihm gegenüber sollen die Tawakkul-Übenden Tawakkul üben.“
(68) Als sie dann eintraten, von wo ihr Vater es ihnen
bestimmte; konnte dies ihnen nichts von ALLAH abwenden. Aber es war ein Anliegen im Herzen
von Ya'qub, das er äußerte. Und er verfügt sicherlich über Wissen, das WIR
ihn lehrten; doch die meisten Menschen wissen es nicht.
(69) Und als sie bei Yusuf
eintraten, nahm er seinen
Bruder zu sich. Er sagte: ”Gewiss, ich bin dein Bruder, so sei
nicht verbittert über das,
was sie zu tun pflegten.“
(70) Und nachdem er ihnen ihre Bedarfsgüter zur Verfügung gestellt hatte, steckte er den
Trinkbecher in die Satteltasche
seines Bruders. Dann rief ein Ausrufer aus: „Ihr von der
Karawane! Ihr seid zweifelsohne Diebe.“
(71) Sie sagten und gingen auf sie zu: „Was
vermisst ihr denn?“
(72) Sie sagten: „Wir vermissen den Messbecher des
Königs.“ Und wer ihn zurückbringt, erhält (als Belohnung) eine Kamelladung, und dafür
verbürge ich mich.
(73) Sie sagten: „Bei ALLAH! Gewiss, bereits wisst ihr,
dass wir nicht kamen, um Verderben im Lande anzurichten, und dass wir keine Diebe
sind.“
(74) Siesagten: „Welche Bestrafung erhält er (der Täter), wenn ihr
gelogen habt?“
(75) Sie sagten: „Seine Bestrafung ist: Derjenige, in dessen Satteltasche
er gefunden wird, er selbst ist dann die Vergeltung dafür.“ Und
solcherart vergelten wir denjenigen, die Unrecht begehen.
(76) Dann begann er (das Durchsuchen) mit
ihren Transportbehältern
vor dem Transportbehälter seines Bruders, dann zog er ihn aus
dem Transportbehälter seines Bruders. Solcherart haben WIR es für
Yusuf geplant. Denn er hätte niemals seinen Bruder nach dem Din1
des Königs festnehmen können, hätte ALLAH es nicht gewollt. WIR erhöhen um Stellungen,
wen WIR wollen. Und über jedem Wissenden gibt es einen noch mehr
Wissenden.
(77) Sie sagten: „Wenn er stiehlt, so stahl bereits sein Bruder vor ihm.“
Yusuf behielt es jedoch bei sich und offenbarte es ihnen nicht,
er sagte (bei sich): „Ihr seid sicherlich niedriger in der
Stellung. Und ALLAH ist allwissend über das, was ihr darstellt.“
(78) Sie sagten: „Al-'aziz! Er hat doch einen Vater, der ein
Greis ist, so nimm einen von
uns an seiner Stelle fest. Wir sehen dich doch als einen der
Muhsin.“
(79) Er sagte: „ALLAH bewahre, dass wir jemanden festnehmen
außer denjenigen,
bei dem wir unser Gut fanden, sonst wären wir doch Unrecht-Begehende.“
(80) Und als sie an ihm jede Hoffnung verloren,
zogen sie sich zurück, um
unter sich zu beraten. Der Älteste unter ihnen sagte: „Wisst ihr
etwa nicht, dass euer
Vater von euch vor ALLAH ein Versprechen hat, und was ihr vorher Yusuf gegenüber an
Missachtung entgegengebracht habt?! So werde ich das Land
nicht verlassen, bis mein Vater es mir erlaubt oder ALLAH mir
eine Entscheidung macht. ER
ist Der Beste der Entscheidenden.“
(81) Kehrt zurück zu eurem Vater, dann sagt: ‚Unser Vater! Dein Sohn hat gestohlen,
und wir haben nur das bezeugt, was wir wussten. Und wir hatten über das
Verborgene keine Kenntnis.
(82) Und frage in der Ortschaft, in der wir waren, und
bei der Karawane, mit der wir
zurückkamen. Und gewiss, wir sind doch wahrhaftig.‘
(83) Er
sagte: „Nein, sondern euer Ego machte euch etwas leicht! Also
(übe ich mich) in klagloser
Geduld, vielleicht wird ALLAH sie alle mir zurückbringen.
Gewiss, ER ist Der
Allwissende, Der Allweise!“
(84) Dann wandte er sich von ihnen ab und sagte: „Weh um Yusuf.“
Und seine Augen wurden weiß von der Trauer. Und er hat es still erduldet.
(85) Sie sagten: „Bei ALLAH! Du wirst nie
aufhören, Yusuf zu gedenken, bis du todgeweiht oder selbst unter den Toten bist.“
(86) Er sagte: „Nur ALLAH klage ich meinen Kummer und meine
Trauer. Und ich weiß von ALLAH, was ihr nicht wisst.
(87) Meine Söhne! Geht und erkundigt euch
nach Yusuf und seinem Bruder und verzweifelt nicht an den Ruhh2
von ALLAH, denn es zweifeln an den Ruhh von ALLAH nur die Kafir-Leute.“
(88) Und als sie bei ihm eintraten, sagten sie: „Oh Al-'aziz!
Wir und unsere Familie litten Not und wir brachten minderwertige Handelsware mit. Bitte
gib uns vollständiges Maß und gewähre uns Sadaqa1.
Gewiss, ALLAH vergilt den SadaqaGewährenden.
1Din
bedeutet hier Gesetz.
2
In diesem Zusammenhang bedeutet Ruhh: Gnade.
(89) Er sagte: „Ist euch bewusst geworden, was ihr Yusuf und
seinem
Bruder angetan habt, als ihr noch Unwissende wart?“
(90) Sie
sagten: „Bist du etwa
doch selbst Yusuf?!“ Er sagte: „Ich bin Yusuf und dies ist mein
Bruder. Bereits
erwies ALLAH uns Wohltaten. Gewiss, wer Taqwa gemäß handelt und
sich in Geduld übt,
so lässt ALLAH zweifelsohne die Belohnung der Muhsin nicht
verloren gehen.
(91) Sie sagten: „Bei ALLAH! Gewiss, bereits hat ALLAH dich vor
uns bevorzugt und wir waren doch Verfehlende.“
(92) Er sagte:
„Es werden euch
heute keine Vorwürfe gemacht. ALLAH möge euch vergeben. Und ER
ist Der
Allgnädigste aller Gnädigen.
(93) Nehmt dieses mein Hemd mit,
dann legt es auf
meines Vaters Gesicht, dann wird er wieder sehen können, und
bringt mir eure ganze Familie mit!“
(94)
Und als die Karawane aufbrach, sagte ihr Vater: „Ich rieche den
Duft von Yusuf. Würdet ihr mich der Faselei nicht bezichtigen,
(würdet ihr mir glauben).“
(95)
Sie sagten: „Bei ALLAH! Gewiss, du bleibst doch bei deinem alten
Irrtum.“
(96)
Und als der Freudenbote kam, hat er es (das Hemd) auf sein
Gesicht gelegt, so
konnte er wieder sehen. Er sagte: „Habe ich euch nicht gesagt,
dass ich von
ALLAH weiß, was ihr nicht wisst?!“ (97) Sie sagten: „Unser
Vater! Bitte für uns
um die Vergebung unserer Verfehlungen, denn wir waren gewiss
Verfehlende.“
(98)
Er sagte: „Ich werde meinen HERRN für euch um Vergebung bitten.
Gewiss, ER
ist Der Allvergebende, Der Allgnädige.“
(99) Und als sie bei Yusuf eintraten, nahm er seine Eltern zu
sich und sagte: „Tretet
in Ägypten ein, so ALLAH will, als Sicherheitsgenießende.“
(100)
Dann erhob er
seine Eltern auf den Thron und sie (die Brüder) fielen vor ihm
in Sudschud nieder. Er sagte: „Mein Vater! Dies ist die Deutung
meines Traumgesichts von vorher; bereits ließ mein HERR es
bewahrheiten. Und bereits hat ER mir Gutes erwiesen,
als ER mich vom Gefängnis entlassen und euch von der Wüste
kommen ließ,
nachdem der Satan Zwietracht zwischen mir und meinen Brüdern
stiftete. Gewiss,
mein HERR ist allgütig dem gegenüber, was ER will. Gewiss, ER
ist Der Allwissende,
Der Allweise.
(101) Mein HERR! DU hast mir vom Königtum zuteil
werden lassen und lehrtest mich von der Deutung der Träume - DU
Schöpfer der
Himmel und Erde -, DU bist mein Wali im Diesseits und im
Jenseits, lasse mich
als Muslim sterben und den gottgefällig Guttuenden folgen!“
(102) Dies ist von den Mitteilungen des Verborgenen, die WIR dir
als Wahy zuteil
werden lassen. Und du warst nicht bei ihnen, als sie sich
entschlossen haben,
während sie die List planten.
(103) Und die meisten Menschen -
selbst dann, solltest
du dich bemühen -, werden keine Mumin sein. (104) Und du
verlangst von ihnen dafür keine Belohnung. Es ist nur eine
Ermahnung für die ganze Schöpfung.
1
Sadaqa bedeutet i. A. freiwillige Spende.
(105) Und wie viele von den Ayat gibt es in den Himmeln und auf der
Erde, bei denen sie vorbeigehen, und sie ihnen gegenüber
uninteressiert bleiben.
(106) Und
die meisten von ihnen bekunden nicht den Iman an ALLAH, es sei denn,
sie
bleiben Muschrik.
(107) Fühlen sie sich etwa davor sicher, dass sie eine Peinigung von
ALLAH überzieht,
oder dass die Stunde sie überrascht, während sie es nicht merken?!
(108) Sag:
‚Dies ist mein Weg, ich lade zu ALLAH mit Einblick ein - ich und
jeder, der mir
gefolgt ist. Und subhanallah1
und ich gehöre nicht zu den Muschrik.‘
(109) Und WIR entsandten vor dir nur Männer, denen WIR Wahy zuteil
werden
ließen, die zu den Bewohnern der Ortschaften zählten. Sind sie etwa
nicht durch
das Land gezogen, damit sie wahrnehmen, wie das Anschließende von
denjenigen
war, die vor ihnen lebten?! Und das Jenseits ist gewiss besser für
diejenigen, die
Taqwa gemäß gehandelt haben. Wollt ihr euch etwa nicht besinnen?!
(110) Als die
Gesandten die Hoffnung aufgaben und dachten, dass sie bereits
getäuscht wurden,
da kam zu ihnen unser Sieg. Dann wurde gerettet, wen WIR wollen. Und
Unser Gewalt-Antun kann von den schwer verfehlenden Leuten niemals
abgewendet werden.
(111) Gewiss, bereits in ihren Begebenheiten war eine Lehre für
diejenigen mit
Verstand. Es war keine erfundene Erzählung, sondern er (der Quran)
ist eine Bestätigung
dessen, was vor ihm war, Erläuterung aller Dinge und Rechtleitung
und
Gnade für Menschen, die den Iman verinnerlichen.
1
Subhanallah (Sub-hanal-lah): gepriesen-erhaben ist ALLAH.
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