Der Koran und die Orientalisten
Eine der Hauptbeschäftigungen der wenigen
Orientalisten, die jemals den Koran
ernsthaft studiert haben, bestand in der
Untersuchung dessen, was sie als die
ursprüngliche Ordnung des koranischen Textes
verstanden, weil für sie die „chronologische
Anordnung von fundamentaler Bedeutung für
das Verständnis des Textes ist.“1
Dieses Unterfangen resultierte in einer
Anzahl von Textstudien sowie mehreren
Übersetzungen des Korans mit „Neuanordnung“
der Suren.2
Trotz sehr intensiver orientalistischer
Untersuchung des Islam während der letzten
beiden Jahrhunderte, die in vielleicht
zehntausenden von Büchern über den Islam
niedergeschrieben und von den Orientalisten
veröffentlicht wurden, ist seltsamerweise
die Anzahl der originären Studien über den
Koran, welche die Basis aller
Islamforschung bilden, nicht größer als
etwa ein halbes Dutzend. Als rasche
Übersicht folgen kurze Besprechungen der
Originalwerke von Orientalisten über den
Koran, die neben den Koranübersetzungen im
20. Jahrhundert veröffentlicht wurden.
Ahmad von Denffer
1
Shorter Encyclopedia of Islam,
Leiden, 1961, Seite 284.
2
Alle Orientalisten klassifizieren die Suren
in verschiedene Perioden, etwa mekkanisch
oder medinensisch. Der originellste Beitrag
ist hierbei Weil, G.:
HistorischKritische Einleitung in den
Koran, Bielefeld und Leipzig, 1878.
Siehe auch Muir, W.: The Coran, its
composition and teaching, London, 1878
und besonders Nöldeke, Th.: Geschichte
des Qorans, auf ihm baut auf Rodwell,
A.:The Coran, translation with the Suras
arranged in chronological order, London,
1876. Weitere derart neu zusammengestellte
Übersetzungen: Bell, R.: The Coran
translated with a critical rearrangement of
the Suras, Edinburgh, 1937 und Blanchère,
R.: Le Coran.
Traduction nouvelle,
Paris, 1949-50. Natürlich mussten die
Übersetzungen noch weiter gehen bei dem
Versuch der „Re-Klassifizierung“ durch
Zuweisung eines jeden Verses zu einem
speziellen Platz und sie konnten sich nicht
auf Suren beschränken.
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